augenblick & eigensinn: Survival zuhause

Freitag, 6. Januar 2017

Survival zuhause

Wenn man in einem alten Haus wohnt, egal, ob von Sanierungswünschen beseelt oder einfach nur, weil das eben so ist, muss man immer auf Überraschungen gefasst sein.

Ich jedenfalls hatte mir den Start ins Neue Jahr eigentlich anders vorgestellt: Regelmäßige Blogposts sollten den Start eines kleinen DaWanda-Lädchens begleiten, die freien Tage wollte ich nutzen, um mit leichter Hand fulminante Entwürfe aufs Papier zu zaubern - Ihr merkt schon, meine Vorstellungen waren völlig realitätsfremd...

Stattdessen kleide ich mich (jenseits von Mode und Stilbewusstsein) im Moment wie eine Zwiebel und backe Kuchen, um zu überleben. Klingt verrückt? Ist es auch!

Kurz vor Weihnachten beschwerte sich die alte Gastherme in unserem Haus darüber, dass sie nicht genügend Wasser hätte. Oh weia, direkt vor den Feiertagen... also schnell den Haustechniker des Vertrauens um Hilfe angebimmelt...

... Gestresste Antwort eines gestressten Menschen: Ich habe jetzt meinen wohlverdienten Urlaub und bin am 9. Januar wieder zu erreichen. Punkt. Hallo? Es ist WINTER? Wasser regelmäßig kontrollieren und nachfüllen. lautete der Tipp für die Feiertage. Das haben wir brav gemacht, erst halbtäglich, dann in immer kürzeren Abständen. Unsere Heizung verhielt sich wie ein Säugling, regelmäßig brauchte sie etwas zu trinken.

Kurz vor dem neuen Jahr beschloss sie dann, dass Heizen völlig überbewertet sei, Warmwasser sei völlig ausreichend. Immerhin. Nun, zugegebenermaßen konnten wir nur an warmes Wasser kommen, wenn wir brav davor Beobachtungsposten bezogen haben und immer kurz vor der Notabschaltung alle Regler runter gedreht haben, um sie dann vorsichtig wieder hoch zu drehen. Mit Einsatz einer guten halben Stunde wertvoller Freizeit waren wir dann immerhin in der Lage, lauwarm zu duschen.

Also haben wir uns nach den Feiertagen nach alternativen Heizungskennern umgetan, schließlich kann sich die Zeit bei Kälteeinbruch in einem alten, nicht isolierten Haus erschreckend in die Länge ziehen, wenn die Heizung nicht funktioniert.

Keine Ahnung, wie oft wir mit wechselnden Stimmen besprochene Anrufbeantworter abgehört haben, Fazit ist jedenfalls: die Branche ist derzeit beinahe kollektiv im Winterurlaub.

Irgendwann ist man dann nicht mehr wählerisch und telefoniert jeden in der Nähe liegenden Betrieb an: und, siehe da, es fand sich ein Techniker... Er drückte hier und da und schlug vor, so ziemlich alles zu tauschen, was wirklich Geld kostet, füllte Wasser nach (was wir in einem zugegebenermaßen nicht gerade sauberen Garteneimer aufgefangen hatten, da dieser greifbar war, als es tropfte) und, welch Wunder: Nach seinem Besuch gab es dann auch kein warmes Wasser mehr.

Für die von ihm vorgebrachte Diagnose hätten wir unsere Gastherme wahrscheinlich auch abschrauben und zu einem Internisten bringen können, wahrscheinlich wäre die Trefferquote zur Lokalisierung des Problems ähnlich präzise ausgefallen.

Wir tauschten trotzdem die Pumpe wie vorgeschlagen (nicht gegen eine neue, sondern ein gebrauchtes Modell) - und alles blieb beim alten.

Das Thermometer zeigt die Innentemperatur!!!
Das Haus wird immer kälter, wir versuchten unser Glück bei einem anderen Heizungsnotdienst, der leider nur noch das traurige Ende unserer Therme bestätigen konnte.

Es sieht so aus, als wenn uns das Neue Jahr also zwangsweise eine neue Therme bescheren wird...

Um die Geschichte abzukürzen: Jetzt backe ich Kuchen, damit die Rohre nicht zufrieren, denn heute morgen hatte das Bad noch kuschelige 6 Grad zu bieten, während draußen der Frost wütete.
Wir haben einen alten Kachelofen im Wohnzimmer, der normalerweise mollige Wärme spendet - wäre es im Moment nicht so windig! So pfeift der Wind durch alle Ritzen und es ist nur dann warm, wenn man unmittelbar mit dem Hintern vorm Ofen steht.

Mittlerweile sind wir beim Galgenhumor angekommen, machen das Wasser im Wasserkocher warm, bevor wir es trinken und warten ab, dass der 9. Januar endlich kommt.


Kerzen machen auch Wärme, also gibt es jetzt kuschelige Beleuchtung und ich komme doch noch zum Zeichnen, angetan mit drei Strickkleidern und Röcken übereinander, dazu eine bunte Kollektion mir zur Verfügung stehender Bein- und Armstulpen - und siehe da: es geht.


(Mir graut jetzt schon davor, heute Abend das alles auszuziehen... aber wer weiß, vielleicht schlafen wir ja auf dem Sofa vor dem Ofen...)

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