augenblick & eigensinn: Malerei
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Montag, 1. Mai 2017

Menschenbilder - beobachtet und erschaffen

Lange war es ruhig hier, ich weiß... immerhin habe ich es schon ins neue Jahr geschafft, mit guten Vorsätzen, wie die meisten. Habe Fotos gemacht, in Gedanken diesen Blog Zeile um Zeile befüttert -und dann?
Kennt Ihr das, wenn das Leben um einen herum so viel Fahrt aufnimmt, dass die Tage und Nächte nicht mehr ausreichen, um damit Schritt zu halten? Wo man sich wie auf einem drehenden Karusselpferdchen fühlt, während die Menge verschwommen und gesichtslos vorbeirauscht?
So geht es mir gerade, parallel laufen so viele Dinge, die ich selber angestoßen habe und die nun endlich Fahrt aufnehmen, andere, die außerhalb meiner Macht liegen, und es passiert natürlich auch der ganz normale Wahnsinn so nebenbei, die Welt dreht sich und ich? Ich hoppel hinterher...
Es passiert Erfreuliches (selbst angestoßen) und weniger Erfreuliches, und mitten zwischen? Mitten zwischen werde ich

am Sonntag, den 07.05.2017 mit einer Vernissage um 11 Uhr eine neue Ausstellung unter dem Titel

"Menschenbilder - beobachtet und erschaffen" 

im BELLA DONNA HAUS in Bad Oldesloe eröffnen.

Für mich ist es eine ganz besondere Ausstellung, ich bestreite sie nämlich nicht alleine, sondern mit meinen beiden großen Töchtern Nele und Bente Lena zusammen. Zu sehen ist also nicht nur meine Sicht der Dinge, sondern auch die Sicht von zwei großartigen jungen Frauen auf die Welt, die so grundverschieden sind, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Erdacht, ersponnen und angemeldet haben wir diese Ausstellung schon 2014, als ich mein Behelfs-Atelier mitten in der Baustelle im neuen Haus eingerichtet habe und wir uns den Traum vom gemeinsamen Künstlern und Werken in bunten Farben ausgemalt haben. Endlich Platz zum Experimentieren, zum freien Arbeiten, Raum für Kunst... Alle Zeit der Welt?

Zum Glück hatten wir damals keine Glaskugel, mit der wir in eine realistische Zukunft hätten sehen können, denn dann hätte der Verstand abgewunken, "Viel zu aufwändig! Nicht zu realisieren!", hätte er gesagt  und wir? Wir hätten genickt und ihm Recht gegeben und diese Ausstellung wäre nie zustande gekommen.

Zum Glück hatten wir keine Glaskugel, sondern haben uns die Zukunft "nur" erträumt. So kann jetzt Realität werden, was sonst nie zustande gekommen wäre. Wir haben nämlich den Schritt gewagt, die Ausstellung direkt anzumelden. Da manche Dinge so ihre Zeit brauchen, ist es nun, drei Jahre später, endlich so weit.

Und wir?
Mittlerweile studiert Nele längst Fotografie in Bristol (Großbritannien), Bente hat es gerade auf die andere Seite der Welt nach Perth (Australien) verschlagen, wo sie lebt und arbeitet.
Das Baustellen-Behelfs-Atelier gibt es noch immer (nichts ist so langlebig wie ein gutes Provisorium) und die gemeinsamen Tage im Atelier waren an wenigen Fingern abzuzählen, aber wir haben sie genutzt!

Was wird es zu sehen geben?
Fotografie und Malerei, Zeichnungen, Grafik und Druck und (als Leckerbissen zur Eröffnung) auch plastische Arbeiten von uns dreien, die wir leider auf Grund der räumlichen Bedingungen nur bei der Vernissage zeigen können.

Samstag, 3. Dezember 2016

Der große Tag ist da...

Heute um 11 Uhr beginnt die Vernissage im Bella Donna

Haus in Bad Oldesloe, mein Bild wird dort zusammen mit den Bildern sieben weiterer Künstlerinnen ausgestellt sein - und ich bin aufgeregt... Bilder gibt es dann später (die letzten Tage und Nächte habe ich quasi rund um die Uhr noch an dem Bild gearbeitet, da war nicht einmal mehr Zeit für ein paar Fotos). Habt einen schönen zweiten Advent!

So, hier kommen die Fotos - handygeknipst - für mehr war keine Zeit... denn kaum hatte die Ausstellung offiziell geöffnet, war der Raum so voller Menschen, dass Fotografieren kaum noch möglich war. Der Raum an sich ist wunderschön - und kommt leider auf den Bildern so gar nicht zur Geltung. Wer kann, fährt lieber selber vorbei, geöffnet ist die Ausstellung noch bis zum 18.01.2017 (Mo-Fr, 10-18 Uhr, Bahnhofstr.12, 23843 Bad Oldesloe).

Eindrücke kurz vor Eröffnung der Ausstellung
Die offizielle Ankündigung zur Ausstellung findet man hier: "Winterstille"

"Letzte Chrysanthemen"


Samstag, 26. November 2016

Ein alter Zopf...

Es heißt ja manchmal, man müsse sich von alten Zöpfen trennen. Wieso eigentlich?
Warum kann Hinwendung zu Neuem nicht auch möglich sein, ohne Altes "über Bord" werfen zu müssen? Ist Altes immer schlecht - und Neues immer gut?

Mein Leben lang habe ich mich dagegen gewehrt, von einem Trend, einer Mode, einem "das-macht-man-jetzt-so" vereinnahmt zu werden - in der Pubertät ganz offensiv, im Laufe der Jahre kräftesparender, in dem ich einfach das gemacht habe, was ich gut und richtig fand.

Ganz frei nach dem Lied von Pippi Langstrumpf "... ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!" habe ich versucht, "meine" Welt zu gestalten. Die Bücher habe ich verschlungen und als Kind schon fand ich die Freiheit, die in der von Astrid Lindgren geschaffenen Welt möglich war, beinahe unwiderstehlich. Wie gerne hätte ich in (oder zumindest neben) der Villa Kunterbunt gewohnt! Je länger ich darüber nachdenke, muss ich zugeben, dass ich so zu leben immer noch sehr charmant fände...

Die Freiheit, keinem Zwang, keinem "das-macht-man-aber-so" zu folgen, findet sich nicht zuletzt auch in meinem künstlerischen Schaffen, in dem ich mit meinem Faible für altes Handwerk kombiniert mit neuen Materialien, neuen Ausdrucksformen, meine ganz eigene Welt geschaffen habe.

Aber wie komme ich jetzt darauf? Nun, bis auf wenige (sehr kurze Episoden) in meinem Leben bin ich immer eine "Zopfträgerin" gewesen, neugierig auf Neues, aber auch verbunden mit der Vergangenheit.

Der Zopf muss also mit aufs Bild... aber wie? In meinem ersten gedanklichen Entwurf war klar, dass ich ihn würde plastische arbeiten wollen, als echtes Geflecht aus einzelnen Strähnen. Leider habe ich nicht die gewünschten Perlen in ausreichender Menge bekommen können und habe dann nach Alternativen gesucht. Fazit: In den freien Minuten, die ich nicht damit verbracht habe, an meinem Wintervogel weiter zu sticken, habe ich lange Schnüre aus dünnem Garn gehäkelt und Stück für Stück auf das Bild genäht... Mein alter Zopf:

bekennende Zopfträgerin :)

Mittwoch, 23. November 2016

Ein Wintervogel

Als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit gehört für mich ein Vogel ins Geäst des Baumes. Also habe ich einen Wintervogel mit wenigen Linien auf Stoff skizziert und begonnen, sein Federkleid zu sticken.
Nach den ersten Versuchen mit Stickgarn, die mir aber alle zu grob und nicht glänzend genug erschienen, sticke ich nun mit Nähseide... Also ich sticke schon seit einer ganzen Weile - aber seht selbst...

Gesticktes Gefieder

Fadengewirr auf der Rückseite
Derzeitiger Stand der Dinge
Tatsächlich wird dieser Vogel ein weitgereister Vogel sein, da er mich seit Wochen begleitet, damit ich überall, wo sich ein winziges Zeitloch auftut, jederzeit zur Nadel greifen kann. (Und im Gegensatz zu manchem Projekt, was ich in meinem Leben mit mir herumgetragen habe, ist dieser Vogel recht handlich...)

Dienstag, 22. November 2016

"Nähst Du ein Kleid?

Ich dachte, Du arbeitest an einem Bild..."

Nun, zugegebenermaßen ist dieses Bild nicht wie andere Bilder. Aber das erwähnte ich wohl schon...

Ich habe lange darüber nachgedacht, welches Kleidungsstück denn angemessen wäre, habe ausprobiert und angehalten, gesteckt und wieder verworfen. Es sollte ein Kleid werden, soviel war mir schon im ersten Entwurf klar. Für ein Winterbild wäre wahrscheinlich etwas Wärmendes die erste Idee gewesen, allerdings fühlte sich das für dieses Bild falsch an.
Zerbrechlichkeit und Schutzlosigkeit wollte ich mit einem fast königlich anmutenden Gewand kombinieren. Also ist meine Wahl auf einen leicht transparenten Chiffon gefallen.

Und ich habe wirklich begonnen, ein Kleid zu nähen.

Anfertigen von Kragenblende, Gürtel und Manschetten

Zuerst habe ich Stoff für Gürtel, Kragenblende und Manschetten (ähnlich wie beim Hintergrund) mit Ornamenten aus Acrylfarbe versehen und ihn nachträglich mit Tinte gefärbt.

Stich für Stich - meditatives Nähen mit der Hand
Korpus und Ärmel sind natürlich nicht vollständig um die Figur genäht, aber wer Kleider nähen kann, der kann auch halbe Kleider nähen, die nur aus einer Vorder- oder Rückseite bestehen.

Die einzeln gefertigten Hände habe ich dann mit dem Korpus verbunden, so dass ich mit der Plastizität des fallenden Stoffes im Kontrast zu den gezeichneten Teilen von Händen und Gesicht spielen konnte.

Stich für Stich habe ich Perlen aufgestickt, während meine Gedanken bei den vielen Theaterkostümen und Mittelaltergewändern waren, die ich wirklich (und nicht nur halb) genäht habe, manches Mal an der Maschine, aber oft auch mit der Hand. Schade, dass ich mir nicht öfter mal für so etwas Zeit nehme...
Mein erstes selbstgenähtes Kleid habe ich mit 12 Jahren zusammen mit meiner besten Freundin mit der Hand genäht (allerdings aus der Not heraus, gerade keine Nähmaschine zur Hand zu haben.) Lang ist's her...

Montag, 21. November 2016

Monotypie im Hintergrund

Während sich die meditative Näherei mit der Hand mehr und mehr in die Abendstunden auf dem Sofa vor dem warmen Ofen verlagert und sich naturgemäß nur sehr langsam weiter entwickelt, nutze ich die Nachmittagsstunden im Atelier, um den Hintergrund weiter zu gestalten.
In meinem Entwurf habe ich einen Baum im Hintergrund skizziert, als Symbol für die äußere Winterwelt. Diesen Baum will ich unperfekt, zufällig, rau und eigenwillig. Also habe ich eine Technik gewählt, bei der ich mich auf das Ergebnis einlassen muss, da es sich nur in einem gewissen Maß bewusst steuern lässt.
Für eine Monotypie würde ich im Normalfall Farbe auf eine Platte auftragen, mein Papier auflegen und auf seiner Rückseite zeichnen, malen, reiben, um an bestimmten Stellen durch verstärkten Druck eine Farbaufnahme zu provozieren.


 Nur ist leider mein Hintergrund so groß, dass ich ihn weder alleine händeln kann, noch  passt er auf meinen Arbeitstisch.



Also mische ich die Farben nur sehr kurz und grob und trage sie in der ungefähr geplanten Kontur auf Folie auf. Die Folie wiederum lege ich vorsichtig mit der Farbseite nach unten auf den Stoff und beginne, durch Skizzieren und Reiben auf der Rückseite die Farbe auf den Stoff zu übertragen.


So entstehen neben dem geplanten Baum im Hintergrund des Bildes weitere Details für den Vordergrund...


Samstag, 19. November 2016

Die Chrysanthemenschale

Eigentlich sollte eine Chrysanthemenblüte in meinen geöffneten Händen das Herzstück- und somit auch Namensgeber des Bildes werden. Ursprünglich als Stickarbeit aus gefärbtem Seidenband geplant, konnte ich jedoch kein passendes Seidenband käuflich erstehen - alles, was es zu kaufen gab, entsprach leider nicht meiner Vorstellung.


Also habe ich Chiffonband mit Tinte eingefärbt, um daraus die geplante Blüte sticken zu können. Durch die Transparenz des Bandes fehlte mir nur leider der Kontrast zu den hellen Handflächen. Außerdem verhält sich das Chiffonband beim Sticken ganz anders als Seide, es ist viel sperriger. Kurzerhand habe ich also beschlossen, für die Chrysantheme eine Schale zu sticken. Aus blauem Leinen zugeschnitten, habe ich sie mit Mustern angelehnt an das Blattwerk der Chrysantheme bestickt.


Warum Chrysanthemen? Nun, dafür gibt es vielerlei Gründe...
Die Chrysantheme ist mit die letzte noch blühenden Blumen im Garten, in Japan ist sie Symbol des Kaisers und steht für Unsterblichkeit und Vollkommenheit, in China Symbol für Besinnung, Mut, Bescheidenheit und für ewige Liebe. Neben ihrer symbolischen Bedeutung wird sie in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilpflanze eingesetzt.


Vielleicht sollte es so sein, dass ich das passende Material nicht finden konnte - jetzt liegt die Blüte nicht nur in den Händen, sondern als kostbares Versprechen eines vergangenen Sommers an ein neues Aufblühen nach dem Winter in einer Schale... (als einem Symbol für Weiblichkeit?)




Freitag, 18. November 2016

Es nimmt Gestalt an

Mein Bild nimmt Gestalt an - im wahrsten Sinne des Wortes!



Der Stoff ist zugeschnitten, die Kanten umgebügelt und ich beginne mit der Zusammenstellung der Kleidung.



Wie gut, dass es gerade ein freies Bett im Haus gibt, wo ich ungestört den Stoff drapieren und erst einmal mit Stecknadeln fixieren kann... Ab jetzt wird genäht - und zwar ganz meditativ mit der Hand :)!



Donnerstag, 17. November 2016

Färben des Hintergrundes

Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich mich für Farben und Farbeffekte begeistern kann, egal, wo sie mir auch begegnen mögen? Vielleicht wären die Fotos, die daraus entstehen, auch mal einen Post wert...



Anfang Oktober war das Wetter noch so schön, dass ich mich an das Einfärben des Hintergrundes gemacht habe. Ausgebreitet auf der Wiese konnte ich nach Herzenslust mit Wasser und Tinte experimentieren, aber seht selbst:


Nach dem Färben des Stoffes mit stark verdünnter Acryltinte treten die Motive, die ich ganz zu Beginn als Hintergrundtextur aufgetragen habe, ganz anders in den Vordergrund. Der Plan geht auf...


Um kleinere Passagen für den Vordergrund zu gestalten, experimentiere ich mit Farbauftrag auf nassem/ trockenem Stoff, mit Salz und unverdünnter Tinte.


Und, zu guter Letzt, das Ergebnis des Walzendruckes, jetzt mit gefärbtem Hintergrund...


Mittwoch, 16. November 2016

Zeichnung auf Stoff

Während ich auf gutes Wetter warte, um den Hintergrund weiter einfärben zu können, beginne ich mit dem Entwurf für - ja, was ist es eigentlich? Es ist in gewisser Weise eine Selbstdarstellung, und doch scheue ich mich, von einem Selbstportrait zu sprechen. Viel eher ist es eine Darstellung meines geträumten Ichs.
Als Kind und als Jugendliche habe ich Bücher verschlungen, bin in die Geschichten eingetaucht und eins mit ihnen geworden, auf langweiligen Busfahrten aus dem Fenster schauend habe ich nichts von dem gesehen, was draußen vorbeizog, sondern bin in meinen Gedanken durch Elbenwälder geritten und habe mittelalterliche Burgen bewohnt... Und genau diese Bilder sind es, die durch den Titel "Winterstille", durch dieses kleine Wort wieder lebendig geworden sind.
Diese Traumzeiten sind ein bildgewaltiger und farbenreicher Schatz in mir, den ich lange vergessen glaubte. Es braucht nur ein kleines Wort wie ein Zauberschlüssel und alle diese Schätze sind wieder zum Greifen nah.

Also zeichne ich... mich und doch auch nicht mich, wie man mich "von außen" kennt. Erst ganz zart mit Bleistift, und dann, mutiger geworden, mit schnellen schwarzen Filzstiftstrichen. Und dann mit Filzstift und wasservermalbaren Kreiden auf Stoff.
Diese erweisen sich als sehr eigenwillig, einmal mit Wasser vermalt, entwickeln sie ihren eigenen Entdeckerdrang und breiten sich, anders als in der vorher hergestellten Probe, sehr dynamisch aus. Vielleicht habe ich mit der Probe auch einfach nicht genug Geduld gehabt?

Um plastisch arbeiten zu können, muss ich die Hände noch einmal separat skizzieren und später mit dem restlichen Körper zusammen setzen. Aber dazu später...

Montag, 14. November 2016

Das Abenteuer beginnt

Es ist soweit: das Material liegt größtenteils bereit, ich habe meinen Ateliertisch frei geräumt und das Wagnis kann beginnen. Gebunden an einen Papierentwurf fällt es mir nun doch schwer, anzufangen. Aber die Ausstellung rückt unerbittlich näher. Noch ist es draußen so warm, dass ich nicht wirklich in Winterstimmung komme, aber den Hintergrund - den kann ich ja schon einmal vorbereiten...


Wenn ich mich auch ganz klar für die Farben eines Wintertages draußen entschieden habe, so soll das Bild doch außen und innen, draußen und drinnen verbinden. Also fange ich an, den Hintergrund im Stoffdruck zu gestalten, der mich an Tapetenmuster auf alten Wänden erinnert.


Eine Ecke des Bildes soll einen winterlichen Baum zeigen, dort gestalte ich den Hintergrund mit einer alten Gummi-Walze, deren zartes Blattmotiv ich hier als Textur verwenden will. Mit einer Decke unter dem Stoff hoffe ich, den Farbauftrag so zu beeinflussen, dass er ganz zart, wie gefroren und zerbrechlich auf dem Stoff erscheint. Vielfarbig und verblichen, rauh und ungleichmäßig, wie nach langer Nutzung.


Wieder mische ich Braun und Blau, diesmal auf meiner Gelatine-Platte, nehme die Farbe mit der Walze auf  und freue mich, dass das Ergebnis tatsächlich so wird, wie ich es mir vorgestellt habe - etwas Wagnis ist ja immer dabei...


Sonntag, 13. November 2016

Erste Entwürfe / Winterstille


Irgendwann im Sommer muss es gewesen sein, dass ich zugesagt habe, an einer Ausstellung des KünstlerinnenForums aus dem BELLA DONNA HAUS in Bad Oldesloe teilzunehmen.


"Winterstille" 

ist das Thema, welches trotz flimmernder Hitze draußen sofort erste Bilder in meinem Kopf produziert hat.
"Winterstille" ist für mich (neben der üblichen Vorstellung verschneiter, glitzernder Zauberlandschaft) ein Begriff, den ich in erster Linie mit ganz viel Handwerk verbinde. Es ist die Zeit des Jahres, in der sich die Stunden, die man draußen verbringt, zugunsten der Stunden reduzieren, die man vor dem Ofen mit all den wunderschönen Dingen verbringen kann, die ich eben auch für mein Leben gerne tue: Sticken, Nähen, Stricken, Häkeln - Frauen-Handwerk eben. Allerdings gibt es bei mir selten Vorgefertigtes (nacharbeiten finde ich furchtbar langweilig), sondern meistens entsteht etwas aus der Faszination für ein bestimmtes Material, ein hübsches Stöffchen, zarte Fäden, buntes Glas in Perlen, mich begeistert die Kunst aus vielem Kleinem ein großes Ganzes zu fügen. Farbiges Garn, dass sich so wunderbar ergänzt, verleitet mich dazu, einfach darauf los zu arbeiten. Sticken ist wie malen - nur dauert der Prozess (zumindest bei mir) so viel länger, dass es dann eben doch nicht wie malen ist...
In meinem Kopf sammelten sich also Ideen für ein handwerkliches Bild. Die ersten Entwürfe zur Farbigkeit, zum Motiv habe ich dann zum Treffen der Künstlerinnen schnell in mein ArtJournal skizziert - etwas, was ich normalerweise nicht tue.



Ich zeichne keine Entwürfe - zumindest tue ich das nicht auf Papier und für alle Welt nachvollziehbar. Eigentlich entstehen meine Entwürfe in meinem Kopf. Es dauert dann oft eine ganze Weile, bis ich sie tatsächlich in die Tat umsetze. In der Zwischenzeit entstehen dann Nebenprodukte dieser Suche, wenn ich Techniken ausprobiere, mit denen sich das, was in meinem Kopf schon Gestalt angenommen hat, auch in die Tat umsetzen lässt. Wer mich dabei beobachtet, ist oft mehr als einmal irritiert über die Umwege, die so eine Idee dann durchaus nehmen kann. Die Frage: "Wolltest Du nicht eigentlich...?" kann ich dann oft nur mit einem hilflosen Schulterzucken beantworten. Wie soll ich das erklären, dass ich gerade ein Blütenbild zur Vorbereitung von Eiskristallen male?


So ist dann auch dieser Entwurf nur ein fragiles Liniengespinst, was ich mittlerweile stückchenweise mit Leben fülle. Mehr als das darf so ein Entwurf auch nicht sein, denn, einmal auf Papier gebannt, verliert er die Fähigkeit, zu wachsen und sich zu entwickeln. Denn das tun meine Bilder immer: sie wachsen und entwickeln sich, einmal in die Welt entlassen, im Prozess weiter, als der Entwurf vorweg nehmen kann. Mehr zum Werden und Wachsen dieses Bildes in den nächsten Tagen hier im Blog - natürlich bin ich dem Schreiben schon ein Stück voraus... und werke Stunde um Stunde und vergesse so manches Mal, dass ich den Prozess ja eigentlich dokumentieren will.

Donnerstag, 31. März 2016

Ein klitzekleiner Blick...

ins ArtJournal...




Während der "junge Mann" im Papa-Urlaub in meinem Behelfs-Atelier Geschenkpapier für das Geburtstagsgeschenk seiner kleinen Schwester gestempelt hat, hatte ich nach einer gefühlten Ewigkeit ein wenig Muße für eine schnelle ArtJournal-Seite.

Beim vorletzten... oder vor-vorletzten... oder noch weiter zurückliegenden DIY, was es irgendwann hier auf den Blog schaffen soll (zumindest habe ich fleißig Fotos gemacht), hatte ich eine Pinsel-Ladung grünlich-grauer Kreidefarbe übrig. Wer mich kennt, weiß, dass ich Farbe schlecht einfach unsinnig entsorgen kann (was im übrigen auch nicht gut für die Entwässerungsrohre ist), sondern sie lieber schon mal irgendwo vorsorglich "wegbrauche". Bei kleinen Mengen landen die Reste auf einer leeren ArtJournal-Seite oder ergänzen eine schon angefangene, größere Mengen werden gleich auf Leinwänden als erste Schicht weiterverarbeitet. So ergeben sich im Laufe der Zeit oft ganz interessante Zusammenstellungen, die sonst so vielleicht nie zueinander gefunden hätten.

Diese Kreide-Seite lag noch auf meinem Arbeitstisch zum Trocknen, wo ich sie irgendwann liegen gelassen hatte. Also habe ich kurzerhand mit dem Sharpie, einem weißen Lackmaler aus den USA, darauf herumgedoodelt, während ich den fleißigen Stempler zu neuen Farbkreationen ermutigt habe.
Da der Lackstift relativ dick ist, war die Seite entsprechend schnell gefüllt. (Ich gebe zu, das Motiv ist etwas üppiger ausgefallen, als man das sonst von mir gewohnt ist, aber es war ja gar nicht sicher, wie lange so eine Geschenkpapier-Stempel-Aktion dauern würde...)



Nun, das Geschenkpapier war dann doch vor mir fertig, ich durfte es als Hintergrund fürs Foto nehmen.

Das könnte ruhig ein bisschen bunter sein, befand der junge Mann (der gerade sämtliche Farbregister seines Tuschkastens ausprobiert hatte...)



Also habe ich unter kritisch beobachtenden Blicken ganz zart mit meinen Neocolor (wasservermalbare Wachsmalkreiden) die Blüten coloriert (wohl wissend, was passieren würde, wenn man dann noch mal mit Wasser an die Sache heranginge).
Der Blick wurde immer kritischer, bis irgendwann ein vorwurfsvolles: "Ich hatte BUNT gesagt!" herausplatzte.

Jetzt kam das Wasser ins Spiel - ich bin jedes mal aufs neue begeistert, wie viel Farbe dann plötzlich wie durch Zauberhand auf dem Papier ist! Und das immerhin auf graugrünem Kreidefarben-Hintergrund! Der Sommer kann kommen!







Jetzt ist diese Seite übrigens bunt genug! :)

Montag, 28. September 2015

Ein kurzer Blick in mein ArtJournal



Ein kurzer Spaziergang um den Neuhofer Teich in Reinfeld, wunderschöne Herbstsonne im Spiegel auf dem Wasser, ein Moment der Ruhe auf einer Bank mit Blick auf den See - ich fühlte mich inspiriert, endlich mal wieder ein wenig Zeit im Atelier zu verbringen, was in den letzten Monaten viel zu selten der Fall gewesen ist.

Für kurze Augenblicke der Kreativität bietet sich immer mein ArtJournal an, in dem viele Bilder einfach so, ganz zufällig, ungeplant aus einer Laune heraus entstehen. Manche Seiten schlummern auch eine ganze Weile im Dornröschenschlaf, bis ich sie durch Zufall wieder hervor hole und fertig stelle.



Auf dieser Seite hatte ich schon vor Wochen einen Rest Impasto-Gel in Kombination mit einer selbstgemachten Schablone (hier) verarbeitet. Nun ist noch eine Schicht Neocolor (wasservermalbare Wachsmalstifte) von Caran D'dache hinzu gekommen, der aufgeklappte Kasten lag so einladend auf dem Tisch...



Das Ergebnis hat mich dann an einen Schnipsel aus einer Zeitschrift erinnert, also habe ich ihn mit Washi-Tape eingeklebt - und überlegt, ob ich noch mehr aus dieser Seite machen will, oder ob sie so schlicht bleibt. Ihr seht ja, wofür ich mich entschieden habe :)...

Montag, 24. August 2015

Einladung zum Mitmachen

Schablonentechnik, im Wechsel aus erstem Druck und Ghost-Print

Meine Ausstellung hängt, es sind Ferien - und ich habe gerade keinen Urlaub, aber trotzdem seit Wochen viel lieben Besuch (immer schön dosiert hintereinander) und komme gefühlt zu nichts. Aber natürlich will man die gemeinsame Zeit dann auch nutzen, klönen, bummeln, lecker essen, um dann festzustellen, dass sie trotzdem wie im Flug vergeht.
Es wird also höchste Zeit, mal wieder die Farbtöpfe unsicher zu machen :)
Damit ich nicht wieder neue Ausreden finden kann (ich bin ein Meister der Prokrastination - und habe leider auch immer tausend Ideen, was ich alles dringend! erledigen muss... wer kennt das nicht?), werde ich öffentlich Druckwalze und Farbtube schwingen, und jeder, der Lust hat, ist herzlich eingeladen, daran teilzunehmen.

Acryldruck in mehreren Schichten auf Recycling-Pappe

Im Rahmen einer bundesweiten Veranstaltung der Kreativwirtschaft (man staune, das gibt es wirklich!) werde ich mein Atelier in meine Ausstellung im Bella Donna Haus in Bad Oldesloe verlegen und dort mit der Gelatine-Platte drucken. (Veranstaltung)

Acryldruck in Schablonentechnik auf Seidenpapier

Meine ersten Versuche mit dieser Drucktechnik finden sich hier und hier auf meinem Blog - Vorkenntnisse sind nicht von Nöten, wer sich versuchen will, braucht lediglich den Mut, sich auf eine ungewöhnliche Technik einzulassen und die kreative Freiheit, mal etwas ganz Neues zu probieren.
Es gibt kein "Richtig" oder "Falsch", es gibt nur "gefällt mir und es bleibt so" oder "das wird nochmal überdruckt". Also, gleich anmelden, freundlich aufs Band sprechen (damit mich die Nachricht auch erreicht, wenn ich mal nicht ans Telefon gehen kann) und einen Platz sichern.

Farbreduktion mit Moosgummischablone

Natürlich darf auch zugeschaut werden - nur muss ich für Mitmacher entsprechend vorsorgen, wenn man nämlich einmal Spaß daran findet, ist man schwer zu bremsen - nichts schlimmer, als wenn dann das Material ausginge!

Donnerstag, 4. Juni 2015

Die Aufregung steigt


Nur noch einen Monat, dann ist es so weit: meine erste Ausstellung öffnet ihre Tore!
Im Bella Donna Haus in Bad Oldesloe werde ich ab dem 5. Juli 2015 unter dem Titel "Tief auf dem Grunde der Meere" das erste Mal 33 Bilder der Öffentlichkeit präsentieren.
Es sind kleine und große Arbeiten aus den letzten fünf Jahren, die dort zu sehen sein werden, die Entstehungsgeschichte von machen findet sich in einem der vergangen Blogposts wieder, andere wiederum sind einfach so ohne Anteilnahme der Öffentlichkeit gewachsen und geworden.

Im Moment treibt mich noch der Papierkram um, denn auch im Hintergrund soll ja alles seinen rechten Gang gehen. Auch verbringe ich Nachmittage im Atelier ohne zu malen, weil noch vieles für seinen ersten Auftritt gerahmt werden will - ein Zeitfaktor, den ich bislang unterschätzt habe.

Hier gibt es schon mal einen kleinen Ausblick, auch wenn meine Kamera nicht in der Lage ist, die Bilder wirklich zufriedenstellend wiederzugeben. Aber wer neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen, sich die Ausstellung anzusehen!


Vernissage: 5. Juli 2015, 11 Uhr, Bella Donna Haus, Bahnhofstraße 12, 23843 Bad Oldesloe

Donnerstag, 6. November 2014

Ein neues Gewand

Hurra, es ist geschafft, ich habe es tatsächlich gewagt, meinen Wunsch in die Tat umzusetzen und mich an die Überarbeitung meines Blogs und seines Erscheinungsbildes gemacht. Der erste Schritt ist mir gelungen, ein neues Menü wird noch folgen...
Nicht, dass ich das nicht schon eine ganze Weile lang vorgehabt hätte, aber manchmal sammeln sich so viele technische Hindernisse an, dass man sich entmutigen lässt. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, mich dazu in ein Bildbearbeitungsprogramm einzuarbeiten. Zum Glück war mein großer Sohn eine Woche lang zu Besuch und hat neben mir gesessen und immer wieder geduldig erklärt und assistiert. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön, ich hätte sonst aufgegeben! Es war fast wie früher bei den Hausaufgaben, nur mit geänderten Rollen :). Diesmal war ich der genervte Schüler, der die Geduld des Lehrers strapaziert... Aber es ist ja jetzt doch etwas daraus geworden. Vielleicht hat ja auch jemand das Original aus diesem Post wiedererkannt?

Außerdem waren es zwei ereignisreiche Monate, Fotos für künftige Posts habe ich jede Menge gemacht, ich muss mir nur die Zeit nehmen, sie zu sortieren und zu bearbeiten. Meine große Tochter Nele von nelephantastic war zu Besuch und hat sich in meinem provisorischen Atelier eingenistet, um zu malen und an einem Kunstwettbewerb, dem Artwart teilzunehmen, ihre Bilder seht ihr hier oder auf ihrem eigenen Blog,




einige Freundinnen waren da und haben mit mir Gelatineplattendrucke ausprobiert, ich arbeite an einem großen Doppelbild und plane meine erste Ausstellung - zu berichten gibt es also genug!

Außerdem soll dieser Blog um zwei inhaltliche Sparten reicher werden: zukünftig wird es ab und zu einen kreativen Tipp zum Nachahmen geben und Updates vom Baufortschritt des zukünftigen Ateliers (auch, wenn ich befürchte, dass das zu Beginn erst mal sehr deprimierende Abrissbilder sein werden!)