augenblick & eigensinn: Grafik
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Montag, 1. Mai 2017

Menschenbilder - beobachtet und erschaffen

Lange war es ruhig hier, ich weiß... immerhin habe ich es schon ins neue Jahr geschafft, mit guten Vorsätzen, wie die meisten. Habe Fotos gemacht, in Gedanken diesen Blog Zeile um Zeile befüttert -und dann?
Kennt Ihr das, wenn das Leben um einen herum so viel Fahrt aufnimmt, dass die Tage und Nächte nicht mehr ausreichen, um damit Schritt zu halten? Wo man sich wie auf einem drehenden Karusselpferdchen fühlt, während die Menge verschwommen und gesichtslos vorbeirauscht?
So geht es mir gerade, parallel laufen so viele Dinge, die ich selber angestoßen habe und die nun endlich Fahrt aufnehmen, andere, die außerhalb meiner Macht liegen, und es passiert natürlich auch der ganz normale Wahnsinn so nebenbei, die Welt dreht sich und ich? Ich hoppel hinterher...
Es passiert Erfreuliches (selbst angestoßen) und weniger Erfreuliches, und mitten zwischen? Mitten zwischen werde ich

am Sonntag, den 07.05.2017 mit einer Vernissage um 11 Uhr eine neue Ausstellung unter dem Titel

"Menschenbilder - beobachtet und erschaffen" 

im BELLA DONNA HAUS in Bad Oldesloe eröffnen.

Für mich ist es eine ganz besondere Ausstellung, ich bestreite sie nämlich nicht alleine, sondern mit meinen beiden großen Töchtern Nele und Bente Lena zusammen. Zu sehen ist also nicht nur meine Sicht der Dinge, sondern auch die Sicht von zwei großartigen jungen Frauen auf die Welt, die so grundverschieden sind, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Erdacht, ersponnen und angemeldet haben wir diese Ausstellung schon 2014, als ich mein Behelfs-Atelier mitten in der Baustelle im neuen Haus eingerichtet habe und wir uns den Traum vom gemeinsamen Künstlern und Werken in bunten Farben ausgemalt haben. Endlich Platz zum Experimentieren, zum freien Arbeiten, Raum für Kunst... Alle Zeit der Welt?

Zum Glück hatten wir damals keine Glaskugel, mit der wir in eine realistische Zukunft hätten sehen können, denn dann hätte der Verstand abgewunken, "Viel zu aufwändig! Nicht zu realisieren!", hätte er gesagt  und wir? Wir hätten genickt und ihm Recht gegeben und diese Ausstellung wäre nie zustande gekommen.

Zum Glück hatten wir keine Glaskugel, sondern haben uns die Zukunft "nur" erträumt. So kann jetzt Realität werden, was sonst nie zustande gekommen wäre. Wir haben nämlich den Schritt gewagt, die Ausstellung direkt anzumelden. Da manche Dinge so ihre Zeit brauchen, ist es nun, drei Jahre später, endlich so weit.

Und wir?
Mittlerweile studiert Nele längst Fotografie in Bristol (Großbritannien), Bente hat es gerade auf die andere Seite der Welt nach Perth (Australien) verschlagen, wo sie lebt und arbeitet.
Das Baustellen-Behelfs-Atelier gibt es noch immer (nichts ist so langlebig wie ein gutes Provisorium) und die gemeinsamen Tage im Atelier waren an wenigen Fingern abzuzählen, aber wir haben sie genutzt!

Was wird es zu sehen geben?
Fotografie und Malerei, Zeichnungen, Grafik und Druck und (als Leckerbissen zur Eröffnung) auch plastische Arbeiten von uns dreien, die wir leider auf Grund der räumlichen Bedingungen nur bei der Vernissage zeigen können.

Freitag, 6. Januar 2017

Survival zuhause

Wenn man in einem alten Haus wohnt, egal, ob von Sanierungswünschen beseelt oder einfach nur, weil das eben so ist, muss man immer auf Überraschungen gefasst sein.

Ich jedenfalls hatte mir den Start ins Neue Jahr eigentlich anders vorgestellt: Regelmäßige Blogposts sollten den Start eines kleinen DaWanda-Lädchens begleiten, die freien Tage wollte ich nutzen, um mit leichter Hand fulminante Entwürfe aufs Papier zu zaubern - Ihr merkt schon, meine Vorstellungen waren völlig realitätsfremd...

Stattdessen kleide ich mich (jenseits von Mode und Stilbewusstsein) im Moment wie eine Zwiebel und backe Kuchen, um zu überleben. Klingt verrückt? Ist es auch!

Kurz vor Weihnachten beschwerte sich die alte Gastherme in unserem Haus darüber, dass sie nicht genügend Wasser hätte. Oh weia, direkt vor den Feiertagen... also schnell den Haustechniker des Vertrauens um Hilfe angebimmelt...

... Gestresste Antwort eines gestressten Menschen: Ich habe jetzt meinen wohlverdienten Urlaub und bin am 9. Januar wieder zu erreichen. Punkt. Hallo? Es ist WINTER? Wasser regelmäßig kontrollieren und nachfüllen. lautete der Tipp für die Feiertage. Das haben wir brav gemacht, erst halbtäglich, dann in immer kürzeren Abständen. Unsere Heizung verhielt sich wie ein Säugling, regelmäßig brauchte sie etwas zu trinken.

Kurz vor dem neuen Jahr beschloss sie dann, dass Heizen völlig überbewertet sei, Warmwasser sei völlig ausreichend. Immerhin. Nun, zugegebenermaßen konnten wir nur an warmes Wasser kommen, wenn wir brav davor Beobachtungsposten bezogen haben und immer kurz vor der Notabschaltung alle Regler runter gedreht haben, um sie dann vorsichtig wieder hoch zu drehen. Mit Einsatz einer guten halben Stunde wertvoller Freizeit waren wir dann immerhin in der Lage, lauwarm zu duschen.

Also haben wir uns nach den Feiertagen nach alternativen Heizungskennern umgetan, schließlich kann sich die Zeit bei Kälteeinbruch in einem alten, nicht isolierten Haus erschreckend in die Länge ziehen, wenn die Heizung nicht funktioniert.

Keine Ahnung, wie oft wir mit wechselnden Stimmen besprochene Anrufbeantworter abgehört haben, Fazit ist jedenfalls: die Branche ist derzeit beinahe kollektiv im Winterurlaub.

Irgendwann ist man dann nicht mehr wählerisch und telefoniert jeden in der Nähe liegenden Betrieb an: und, siehe da, es fand sich ein Techniker... Er drückte hier und da und schlug vor, so ziemlich alles zu tauschen, was wirklich Geld kostet, füllte Wasser nach (was wir in einem zugegebenermaßen nicht gerade sauberen Garteneimer aufgefangen hatten, da dieser greifbar war, als es tropfte) und, welch Wunder: Nach seinem Besuch gab es dann auch kein warmes Wasser mehr.

Für die von ihm vorgebrachte Diagnose hätten wir unsere Gastherme wahrscheinlich auch abschrauben und zu einem Internisten bringen können, wahrscheinlich wäre die Trefferquote zur Lokalisierung des Problems ähnlich präzise ausgefallen.

Wir tauschten trotzdem die Pumpe wie vorgeschlagen (nicht gegen eine neue, sondern ein gebrauchtes Modell) - und alles blieb beim alten.

Das Thermometer zeigt die Innentemperatur!!!
Das Haus wird immer kälter, wir versuchten unser Glück bei einem anderen Heizungsnotdienst, der leider nur noch das traurige Ende unserer Therme bestätigen konnte.

Es sieht so aus, als wenn uns das Neue Jahr also zwangsweise eine neue Therme bescheren wird...

Um die Geschichte abzukürzen: Jetzt backe ich Kuchen, damit die Rohre nicht zufrieren, denn heute morgen hatte das Bad noch kuschelige 6 Grad zu bieten, während draußen der Frost wütete.
Wir haben einen alten Kachelofen im Wohnzimmer, der normalerweise mollige Wärme spendet - wäre es im Moment nicht so windig! So pfeift der Wind durch alle Ritzen und es ist nur dann warm, wenn man unmittelbar mit dem Hintern vorm Ofen steht.

Mittlerweile sind wir beim Galgenhumor angekommen, machen das Wasser im Wasserkocher warm, bevor wir es trinken und warten ab, dass der 9. Januar endlich kommt.


Kerzen machen auch Wärme, also gibt es jetzt kuschelige Beleuchtung und ich komme doch noch zum Zeichnen, angetan mit drei Strickkleidern und Röcken übereinander, dazu eine bunte Kollektion mir zur Verfügung stehender Bein- und Armstulpen - und siehe da: es geht.


(Mir graut jetzt schon davor, heute Abend das alles auszuziehen... aber wer weiß, vielleicht schlafen wir ja auf dem Sofa vor dem Ofen...)

Samstag, 31. Dezember 2016

Ein letztes Mal im alten Jahr...

Da geht es hin, das Jahr - ganz leise...

Nach dem Trubel der Weihnachtstage, viel Besuch (der sich gefühlt seit dem Sommer die Klinke in die Hand gegeben hat), sind jetzt alle abgereist - und es ist so still geworden, dass man nur noch den Wind ums Haus gehen hört und das Holz, dass im Ofen knackt.

Jetzt erst finde ich die Zeit, noch schnell einen Gruß an einen neuen Erdenbürger auf die Reise zu schicken, der schon vor Weihnachten auf die Welt gekommen ist.

Mini-Socken...
Die Söckchen habe ich immer zwischendurch über die Feiertage gestrickt - wie gut, dass Baby's nicht mit Schuhgröße 46 auf die Welt kommen, dann wäre ich nämlich noch nicht fertig...
Für die Karte habe ich dann schwungvoll mit Acryltinte und Pinsel auf dickes Aquarellpapier geschrieben, nach dem ganzen Hin und Her der Feiertage war mir nach etwas Schlichtem.
Jetzt ist alles glücklich verpackt im Postkasten und ich genieße die letzten ruhigen Stunden, die das Jahr noch zu bieten hat mit Tee und Strickzeug vor dem warmen Ofen.




Samstag, 3. Dezember 2016

Der große Tag ist da...

Heute um 11 Uhr beginnt die Vernissage im Bella Donna

Haus in Bad Oldesloe, mein Bild wird dort zusammen mit den Bildern sieben weiterer Künstlerinnen ausgestellt sein - und ich bin aufgeregt... Bilder gibt es dann später (die letzten Tage und Nächte habe ich quasi rund um die Uhr noch an dem Bild gearbeitet, da war nicht einmal mehr Zeit für ein paar Fotos). Habt einen schönen zweiten Advent!

So, hier kommen die Fotos - handygeknipst - für mehr war keine Zeit... denn kaum hatte die Ausstellung offiziell geöffnet, war der Raum so voller Menschen, dass Fotografieren kaum noch möglich war. Der Raum an sich ist wunderschön - und kommt leider auf den Bildern so gar nicht zur Geltung. Wer kann, fährt lieber selber vorbei, geöffnet ist die Ausstellung noch bis zum 18.01.2017 (Mo-Fr, 10-18 Uhr, Bahnhofstr.12, 23843 Bad Oldesloe).

Eindrücke kurz vor Eröffnung der Ausstellung
Die offizielle Ankündigung zur Ausstellung findet man hier: "Winterstille"

"Letzte Chrysanthemen"


Samstag, 26. November 2016

Ein alter Zopf...

Es heißt ja manchmal, man müsse sich von alten Zöpfen trennen. Wieso eigentlich?
Warum kann Hinwendung zu Neuem nicht auch möglich sein, ohne Altes "über Bord" werfen zu müssen? Ist Altes immer schlecht - und Neues immer gut?

Mein Leben lang habe ich mich dagegen gewehrt, von einem Trend, einer Mode, einem "das-macht-man-jetzt-so" vereinnahmt zu werden - in der Pubertät ganz offensiv, im Laufe der Jahre kräftesparender, in dem ich einfach das gemacht habe, was ich gut und richtig fand.

Ganz frei nach dem Lied von Pippi Langstrumpf "... ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!" habe ich versucht, "meine" Welt zu gestalten. Die Bücher habe ich verschlungen und als Kind schon fand ich die Freiheit, die in der von Astrid Lindgren geschaffenen Welt möglich war, beinahe unwiderstehlich. Wie gerne hätte ich in (oder zumindest neben) der Villa Kunterbunt gewohnt! Je länger ich darüber nachdenke, muss ich zugeben, dass ich so zu leben immer noch sehr charmant fände...

Die Freiheit, keinem Zwang, keinem "das-macht-man-aber-so" zu folgen, findet sich nicht zuletzt auch in meinem künstlerischen Schaffen, in dem ich mit meinem Faible für altes Handwerk kombiniert mit neuen Materialien, neuen Ausdrucksformen, meine ganz eigene Welt geschaffen habe.

Aber wie komme ich jetzt darauf? Nun, bis auf wenige (sehr kurze Episoden) in meinem Leben bin ich immer eine "Zopfträgerin" gewesen, neugierig auf Neues, aber auch verbunden mit der Vergangenheit.

Der Zopf muss also mit aufs Bild... aber wie? In meinem ersten gedanklichen Entwurf war klar, dass ich ihn würde plastische arbeiten wollen, als echtes Geflecht aus einzelnen Strähnen. Leider habe ich nicht die gewünschten Perlen in ausreichender Menge bekommen können und habe dann nach Alternativen gesucht. Fazit: In den freien Minuten, die ich nicht damit verbracht habe, an meinem Wintervogel weiter zu sticken, habe ich lange Schnüre aus dünnem Garn gehäkelt und Stück für Stück auf das Bild genäht... Mein alter Zopf:

bekennende Zopfträgerin :)

Mittwoch, 23. November 2016

Ein Wintervogel

Als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit gehört für mich ein Vogel ins Geäst des Baumes. Also habe ich einen Wintervogel mit wenigen Linien auf Stoff skizziert und begonnen, sein Federkleid zu sticken.
Nach den ersten Versuchen mit Stickgarn, die mir aber alle zu grob und nicht glänzend genug erschienen, sticke ich nun mit Nähseide... Also ich sticke schon seit einer ganzen Weile - aber seht selbst...

Gesticktes Gefieder

Fadengewirr auf der Rückseite
Derzeitiger Stand der Dinge
Tatsächlich wird dieser Vogel ein weitgereister Vogel sein, da er mich seit Wochen begleitet, damit ich überall, wo sich ein winziges Zeitloch auftut, jederzeit zur Nadel greifen kann. (Und im Gegensatz zu manchem Projekt, was ich in meinem Leben mit mir herumgetragen habe, ist dieser Vogel recht handlich...)

Dienstag, 22. November 2016

"Nähst Du ein Kleid?

Ich dachte, Du arbeitest an einem Bild..."

Nun, zugegebenermaßen ist dieses Bild nicht wie andere Bilder. Aber das erwähnte ich wohl schon...

Ich habe lange darüber nachgedacht, welches Kleidungsstück denn angemessen wäre, habe ausprobiert und angehalten, gesteckt und wieder verworfen. Es sollte ein Kleid werden, soviel war mir schon im ersten Entwurf klar. Für ein Winterbild wäre wahrscheinlich etwas Wärmendes die erste Idee gewesen, allerdings fühlte sich das für dieses Bild falsch an.
Zerbrechlichkeit und Schutzlosigkeit wollte ich mit einem fast königlich anmutenden Gewand kombinieren. Also ist meine Wahl auf einen leicht transparenten Chiffon gefallen.

Und ich habe wirklich begonnen, ein Kleid zu nähen.

Anfertigen von Kragenblende, Gürtel und Manschetten

Zuerst habe ich Stoff für Gürtel, Kragenblende und Manschetten (ähnlich wie beim Hintergrund) mit Ornamenten aus Acrylfarbe versehen und ihn nachträglich mit Tinte gefärbt.

Stich für Stich - meditatives Nähen mit der Hand
Korpus und Ärmel sind natürlich nicht vollständig um die Figur genäht, aber wer Kleider nähen kann, der kann auch halbe Kleider nähen, die nur aus einer Vorder- oder Rückseite bestehen.

Die einzeln gefertigten Hände habe ich dann mit dem Korpus verbunden, so dass ich mit der Plastizität des fallenden Stoffes im Kontrast zu den gezeichneten Teilen von Händen und Gesicht spielen konnte.

Stich für Stich habe ich Perlen aufgestickt, während meine Gedanken bei den vielen Theaterkostümen und Mittelaltergewändern waren, die ich wirklich (und nicht nur halb) genäht habe, manches Mal an der Maschine, aber oft auch mit der Hand. Schade, dass ich mir nicht öfter mal für so etwas Zeit nehme...
Mein erstes selbstgenähtes Kleid habe ich mit 12 Jahren zusammen mit meiner besten Freundin mit der Hand genäht (allerdings aus der Not heraus, gerade keine Nähmaschine zur Hand zu haben.) Lang ist's her...

Montag, 21. November 2016

Monotypie im Hintergrund

Während sich die meditative Näherei mit der Hand mehr und mehr in die Abendstunden auf dem Sofa vor dem warmen Ofen verlagert und sich naturgemäß nur sehr langsam weiter entwickelt, nutze ich die Nachmittagsstunden im Atelier, um den Hintergrund weiter zu gestalten.
In meinem Entwurf habe ich einen Baum im Hintergrund skizziert, als Symbol für die äußere Winterwelt. Diesen Baum will ich unperfekt, zufällig, rau und eigenwillig. Also habe ich eine Technik gewählt, bei der ich mich auf das Ergebnis einlassen muss, da es sich nur in einem gewissen Maß bewusst steuern lässt.
Für eine Monotypie würde ich im Normalfall Farbe auf eine Platte auftragen, mein Papier auflegen und auf seiner Rückseite zeichnen, malen, reiben, um an bestimmten Stellen durch verstärkten Druck eine Farbaufnahme zu provozieren.


 Nur ist leider mein Hintergrund so groß, dass ich ihn weder alleine händeln kann, noch  passt er auf meinen Arbeitstisch.



Also mische ich die Farben nur sehr kurz und grob und trage sie in der ungefähr geplanten Kontur auf Folie auf. Die Folie wiederum lege ich vorsichtig mit der Farbseite nach unten auf den Stoff und beginne, durch Skizzieren und Reiben auf der Rückseite die Farbe auf den Stoff zu übertragen.


So entstehen neben dem geplanten Baum im Hintergrund des Bildes weitere Details für den Vordergrund...


Samstag, 19. November 2016

Die Chrysanthemenschale

Eigentlich sollte eine Chrysanthemenblüte in meinen geöffneten Händen das Herzstück- und somit auch Namensgeber des Bildes werden. Ursprünglich als Stickarbeit aus gefärbtem Seidenband geplant, konnte ich jedoch kein passendes Seidenband käuflich erstehen - alles, was es zu kaufen gab, entsprach leider nicht meiner Vorstellung.


Also habe ich Chiffonband mit Tinte eingefärbt, um daraus die geplante Blüte sticken zu können. Durch die Transparenz des Bandes fehlte mir nur leider der Kontrast zu den hellen Handflächen. Außerdem verhält sich das Chiffonband beim Sticken ganz anders als Seide, es ist viel sperriger. Kurzerhand habe ich also beschlossen, für die Chrysantheme eine Schale zu sticken. Aus blauem Leinen zugeschnitten, habe ich sie mit Mustern angelehnt an das Blattwerk der Chrysantheme bestickt.


Warum Chrysanthemen? Nun, dafür gibt es vielerlei Gründe...
Die Chrysantheme ist mit die letzte noch blühenden Blumen im Garten, in Japan ist sie Symbol des Kaisers und steht für Unsterblichkeit und Vollkommenheit, in China Symbol für Besinnung, Mut, Bescheidenheit und für ewige Liebe. Neben ihrer symbolischen Bedeutung wird sie in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilpflanze eingesetzt.


Vielleicht sollte es so sein, dass ich das passende Material nicht finden konnte - jetzt liegt die Blüte nicht nur in den Händen, sondern als kostbares Versprechen eines vergangenen Sommers an ein neues Aufblühen nach dem Winter in einer Schale... (als einem Symbol für Weiblichkeit?)




Freitag, 18. November 2016

Es nimmt Gestalt an

Mein Bild nimmt Gestalt an - im wahrsten Sinne des Wortes!



Der Stoff ist zugeschnitten, die Kanten umgebügelt und ich beginne mit der Zusammenstellung der Kleidung.



Wie gut, dass es gerade ein freies Bett im Haus gibt, wo ich ungestört den Stoff drapieren und erst einmal mit Stecknadeln fixieren kann... Ab jetzt wird genäht - und zwar ganz meditativ mit der Hand :)!



Donnerstag, 17. November 2016

Färben des Hintergrundes

Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich mich für Farben und Farbeffekte begeistern kann, egal, wo sie mir auch begegnen mögen? Vielleicht wären die Fotos, die daraus entstehen, auch mal einen Post wert...



Anfang Oktober war das Wetter noch so schön, dass ich mich an das Einfärben des Hintergrundes gemacht habe. Ausgebreitet auf der Wiese konnte ich nach Herzenslust mit Wasser und Tinte experimentieren, aber seht selbst:


Nach dem Färben des Stoffes mit stark verdünnter Acryltinte treten die Motive, die ich ganz zu Beginn als Hintergrundtextur aufgetragen habe, ganz anders in den Vordergrund. Der Plan geht auf...


Um kleinere Passagen für den Vordergrund zu gestalten, experimentiere ich mit Farbauftrag auf nassem/ trockenem Stoff, mit Salz und unverdünnter Tinte.


Und, zu guter Letzt, das Ergebnis des Walzendruckes, jetzt mit gefärbtem Hintergrund...


Mittwoch, 16. November 2016

Zeichnung auf Stoff

Während ich auf gutes Wetter warte, um den Hintergrund weiter einfärben zu können, beginne ich mit dem Entwurf für - ja, was ist es eigentlich? Es ist in gewisser Weise eine Selbstdarstellung, und doch scheue ich mich, von einem Selbstportrait zu sprechen. Viel eher ist es eine Darstellung meines geträumten Ichs.
Als Kind und als Jugendliche habe ich Bücher verschlungen, bin in die Geschichten eingetaucht und eins mit ihnen geworden, auf langweiligen Busfahrten aus dem Fenster schauend habe ich nichts von dem gesehen, was draußen vorbeizog, sondern bin in meinen Gedanken durch Elbenwälder geritten und habe mittelalterliche Burgen bewohnt... Und genau diese Bilder sind es, die durch den Titel "Winterstille", durch dieses kleine Wort wieder lebendig geworden sind.
Diese Traumzeiten sind ein bildgewaltiger und farbenreicher Schatz in mir, den ich lange vergessen glaubte. Es braucht nur ein kleines Wort wie ein Zauberschlüssel und alle diese Schätze sind wieder zum Greifen nah.

Also zeichne ich... mich und doch auch nicht mich, wie man mich "von außen" kennt. Erst ganz zart mit Bleistift, und dann, mutiger geworden, mit schnellen schwarzen Filzstiftstrichen. Und dann mit Filzstift und wasservermalbaren Kreiden auf Stoff.
Diese erweisen sich als sehr eigenwillig, einmal mit Wasser vermalt, entwickeln sie ihren eigenen Entdeckerdrang und breiten sich, anders als in der vorher hergestellten Probe, sehr dynamisch aus. Vielleicht habe ich mit der Probe auch einfach nicht genug Geduld gehabt?

Um plastisch arbeiten zu können, muss ich die Hände noch einmal separat skizzieren und später mit dem restlichen Körper zusammen setzen. Aber dazu später...

Montag, 14. November 2016

Das Abenteuer beginnt

Es ist soweit: das Material liegt größtenteils bereit, ich habe meinen Ateliertisch frei geräumt und das Wagnis kann beginnen. Gebunden an einen Papierentwurf fällt es mir nun doch schwer, anzufangen. Aber die Ausstellung rückt unerbittlich näher. Noch ist es draußen so warm, dass ich nicht wirklich in Winterstimmung komme, aber den Hintergrund - den kann ich ja schon einmal vorbereiten...


Wenn ich mich auch ganz klar für die Farben eines Wintertages draußen entschieden habe, so soll das Bild doch außen und innen, draußen und drinnen verbinden. Also fange ich an, den Hintergrund im Stoffdruck zu gestalten, der mich an Tapetenmuster auf alten Wänden erinnert.


Eine Ecke des Bildes soll einen winterlichen Baum zeigen, dort gestalte ich den Hintergrund mit einer alten Gummi-Walze, deren zartes Blattmotiv ich hier als Textur verwenden will. Mit einer Decke unter dem Stoff hoffe ich, den Farbauftrag so zu beeinflussen, dass er ganz zart, wie gefroren und zerbrechlich auf dem Stoff erscheint. Vielfarbig und verblichen, rauh und ungleichmäßig, wie nach langer Nutzung.


Wieder mische ich Braun und Blau, diesmal auf meiner Gelatine-Platte, nehme die Farbe mit der Walze auf  und freue mich, dass das Ergebnis tatsächlich so wird, wie ich es mir vorgestellt habe - etwas Wagnis ist ja immer dabei...


Samstag, 16. Juli 2016

Ausnahmezustand

Seit zwei Wochen befinde ich mich in eben diesem, denn nachdem ich jetzt ein halbes Jahr so vor mich hin entworfen, gezeichnet, digitalisiert habe und mich vor zwei Monaten zu einem Mietregal in Lübeck durchringen konnte, um mal einen Testballon steigen zu lassen, habe ich vor zwei Wochen die Möglichkeit bekommen, dieses Wochenende als Austeller bei einem kleinen, aber sehr feinen und mit viel Liebe gemachten Historischen Markt teilzunehmen.

Ich werde also in Reinfeld beim

X. Historischen Markt

des Rollenspielvereins Farmion teilnehmen, der auch dieses Jahr wieder Kunsthandwerker aus der Region eingeladen hat, sich am Markttreiben zu beteiligen.

Also gab es nichts anderes mehr als Marktvorbereitung in meinem Leben -ähem ;) ...

...zumindest wäre das so dann sehr entspannt gewesen - schade nur, dass der ganz normale Alltags-Wahnsinn so nebenbei noch weiter läuft, von dem man im Normalfall immer denkt, er sei ausreichend, um Tage und Wochen zu füllen.

Wer Lust hat, vorbei zu schauen, findet mich heute ab 12 Uhr und morgen ab 10 Uhr in der Pausenhalle der Matthias-Claudius-Schule in Reinfeld!

Und hier ein klitzeklitzekleiner Einblick, in das, was mich in den letzten 14 Tagen dann so umgetrieben hat (irgendwann habe ich dann nämlich keine Fotos mehr gemacht, aber das hole ich noch nach):

Strickspitze nach historischen Vorbildern

Ausmalmäppchen für entspannte Augenblicke
Mobiles zum Ausmalen, Verschenken... was immer Ihr wollt :)

Freitag, 22. April 2016

Mit der Hand geschrieben

"Handlettering" heißt das jetzt... Im Moment scheinen im Netz all die Dinge "in" zu werden, die mich schon als Jugendliche interessiert haben - das Schreiben mit der Hand beispielsweise.
Ich finde es gut, dass Handgemachtes verdientermaßen gerade wieder so hoch im Kurs steht. Ich liebe handgemachte Dinge - vor allen Dingen dann, wenn man ihnen die handwerklichen Fähigkeiten ihres Schöpfers ansehen kann. Hätte ich damals die Möglichkeiten gehabt, die ich heute habe, was hätte ich alles anstellen können (so im jugendlichen Tatendrang und ungebremst durch alles, was einem im Alltag so hinderlich sein kann...) Hach, nostalgische Stimmung...

Aber Scherz beiseite, der Nachbarjunge hatte Konfirmation, so etwas ist ja immer ein willkommener Anlass, um eine persönliche Karte zu gestalten.

Nicht zu verspielt sollte sie sein, dem Anlass angemessen und deutlich "handgemacht".
Also habe ich mich in mein Behelfs-Atelier verkrümelt und das Chaos dort auf mich wirken lassen - ich müsste mal wieder aufräumen. Aber in den letzten Wochen war mir nicht so...


Die Idee war auch ruck-zuck gefunden: Kratztechnik meets Handlettering!
Mit Ölkreiden habe ich einfach eine dicke Lage Farbe aufs Papier gekritzelt, dann Acrylfarbe mit einem Shampoo-Rest (nicht lachen, Spüli oder andere flüssige Seife geht auch) gemischt und gleichmäßig und dick darüber verteilt.


Während die Farbe trocknen musste, habe ich dann einen schnellen, schlichten Entwurf gezeichnet: "Zur Konfirmation" und das Datum in Form eines Fisches. Durch festes Aufdrücken ließ sich der Entwurf ganz einfach durch das Blatt hindurch in die weiche getrocknete Acrylfarbe eindrücken. Von der Seite und im rechten Licht besehen konnte man das ganz gut erkennen.


Die Acrylfarbe habe ich dann vorsichtig mit einem alten spitzen Dosenpieker abgekratzt und die darunter liegende Wachsschicht freigelegt. Erst ganz vorsichtig, dann habe ich jeden Buchstaben noch mal nachgearbeitet.


In eine Klappkarte habe ich ein Passepartout in Fischform geschnitten, mein Kunstwerk dahinter geklebt und noch einen Kartentext gestaltet. Fertig!



Inspiriert?

Sonntag, 13. März 2016

Doodle-Eier


Wie Ihr wisst, doodle ich nicht nur gerne auf Papier (z.B. hier und hier), sondern auch gerne auf jedem Material, was nicht schnell genug das Weite gesucht hat (z.B. hier). Dieses Jahr lachten mich im Vorbeigehen beim Discounter diese bunten Kunststoff-Eier an. Mit dem Wunsch, endlich ein bisschen Farbe in den verregneten März zu bringen, durften sie dann auch mit nach Hause, landeten auf meinem Schreibtisch... und warteten. Im Februar habe ich sie mitgebracht, um sie Anfang März dann nach draußen zu hängen - Pustekuchen! Sie lagen bis gestern warm und trocken auf meinem Schreibtisch.


Also habe ich mir schnell den Sharpie geschnappt, den die liebe Freundin meiner Tochter für mich aus den USA mitgebracht hat (ich muss sagen, alle schwärmen zu Recht von diesen Stiften, denn anders, als alle anderen Exemplare weißer Lackstifte, die ich besitze, trocknet dieser bislang nicht aus, wenn man ihn mal eine Woche lang nicht benutzt hat!) - und habe angefangen, die Eier mit ganz einfachen Mustern zu verzieren. Das ging so schnell, dass das erste Ei fertig war, bevor ich daran gedacht hatte, ein Vorher-Nachher-Foto zu machen. (Kleiner Tip: Reibt die Eier vor dem Bemalen mit Fensterreiniger ab, damit Ihr keine fettigen Fingerabdrücke auf dem Kunststoff habt, dann hält die Farbe besser...)


 Wie Ihr sehen könnt, muss das Ergebnis gar nicht perfekt werden, wirklich komplizierte Muster lassen sich auf den glatten Eiern auch gar nicht so gut umsetzen. So geht das Ganze dann auch wirklich fix vonstatten und bei mir hängen die bunten Eier jetzt als kleiner bunter Farbklecks im Vorgarten.


Und im Gegensatz zu allen bunten Frühlingsblühern, die ich im Herbst extra eingebuddelt habe, sind diese Kunststoff-Eier resistent gegen Rehe und andere hungrige Nager, die sich Nacht für Nacht in unserem Vorgarten gütlich tun und jede Tulpe, jede Traubenhyazinthe, jedes Blausternchen und jedes Hornveilchen bis auf Stumpf und Stil abgenagt haben. Ich muss dringend Drahtkörbe für meine Stockrosen basteln, die ersten Blätter sehen auch schon reichlich ramponiert aus!

Sonntag, 27. September 2015

Ein letzter Sommergruß




Nachdem ich nun fast zwei Wochen lang mit einer Nierenbeckenentzündung gelangweilt im Bett und auf dem Sofa verbracht habe, hatte mein Kopf genug Zeit, Idee über Idee zu spinnen. Dumm nur, wenn man dann nicht direkt alles in die Tat umsetzen kann, wie ich es sonst gerne tue :). Aber mir ging es tatsächlich so miserabel, dass ich auf dem Sofa liegen geblieben bin und die Ideen nur im Kopf habe drehen lassen. Das passiert wirklich selten!

Gestern hat mich die Sonne dann aber doch in den Garten gelockt, um wenigsten ein bisschen die Blütenpracht des Spätsommers zu genießen.

Und natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, mich zu einem klitzekleinen DIY-Projekt hinreißen zu lassen, um die sommerliche Pracht noch einmal einzufangen.



Vor längerer Zeit schon habe ich mit einem Spachtel (um einen Rest Farbe zu verbrauchen, den ich noch auf der Palette hatte), ein Stückchen Pappe mit Acrylfarbe eingefärbt. Auf diese Weise landet die Farbe nicht im Ausguss, was erstens Verschwendung und zweitens auch nicht gut fürs Abwasser wäre, sondern ich habe immer einen Stapel individueller Pappen/Papiere parat, wenn es ans Basteln geht. Aber natürlich kann man auch eigens für dieses kleine Mobile Papier einfärben. Wer keine Acrylfarbe zur Hand hat, nimmt dickes Aquarellpapier und Wasserfarben, das erfüllt auch seinen Zweck.


Um die Kreise in unterschiedlichen Größen auszuschneiden, habe ich einen Kreisschneider benutzt, es geht aber genau so gut mit Tassen, Eierbechern, Flaschenböden - runde Formen, die sich als Schablone anbieten, lassen sich leicht im Haushalt finden.


Als nächstes habe ich die Kreise mit einem weißen Lackstift mit stilisierten Blüten bemalt, kurz trocknen lassen und mit einem Lochstanzer jeweils zwei gegenüberliegende Löcher zum Aufhängen ausgestanzt. Zum Auffädeln habe ich Nylonfaden benutzt, Nähgarn geht natürlich auch - fertig ist ein kleines, aber feines Mobile.


Um es hier zu präsentieren, habe ich es in den Apfelbaum gehängt, viele, viele, viele Fotos gemacht - und mich über den Wind geärgert, der es unmöglich gemacht hat, mal alle fünf Blütenscheiben gleichzeitig ins Bild zu bekommen. So war das nicht gedacht! Irgendwann habe ich also aufgegeben, und das Mobile fürs Foto an einen Balken in unserer Deele gehängt (und promt auch eine Blüte nicht mit ins Bild bekommen ^^). Am Fenster ließ es sich nämlich im Gegenlicht auch nicht fotografieren.



Viel Spaß beim Nachmachen, ich freue mich über Kommentare und Fotos :)