augenblick & eigensinn: Nadel und Faden
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Freitag, 13. Januar 2017

Mützenliebe

Mit dem Stricken / Häkeln von Mützen werde ich einfach nicht warm - nein, das liegt nicht an der fehlenden Heizung - seit gestern ist unser Überlebenstraining im eigenen Haus zu Ende und wir haben eine neue Therme.
Nun denn, es ist wieder warm, man kann wieder duschen - und ich habe die Zeit dazwischen eingemummelt auf dem Sofa unter einer Decke damit verbracht, unter anderem ein Mützenversprechen einzulösen.

Im letzten Jahr (omg, wie das klingt!), es war noch warm, waren wir spontan auf einen Kaffee bei meinen Eltern und ich habe meiner Mama versprochen, eine Mütze im Patentmuster zu stricken. 100 Maschen sollte ich anschlagen, das war schon fertig ausgerechnet. Anfang November hatte ich die Mütze das erste Mal fertig. Sehr weich und fluffig fiel sie aus und seeehr dehnbar. Ihr ahnt es?

Meine Eltern waren zu Besuch und das Desaster kam bei der Anprobe, das Teil war viel zu groß.
Ich sag ja: Ich und Mützen! Meine Kollegin zaubert wunderschöne Mützen ganz selbstverständlich - ich brauche immer mehr als einen Anlauf.
Tücher mit komplizierten Mustern, Decken, Jacken, Stulpen, Socken - alles kein Problem. Aber die Mützen halt...

Also habe ich alles wieder auf gerippelt und mit 28! Maschen weniger einen neuen Versuch gestartet, der sich deutlich realistischer anfühlte! (Ich hoffe sehr, dass sie jetzt nicht zu klein ausfällt - bei meinem Glück!) Zum Schluss habe ich aus dem Restgarn noch ein bisschen Deko gezaubert und das ganze verpackt.


Jetzt ist die Mütze endlich fertig und mit der Post unterwegs, bevor nachher der Winter vorüber ist und sie gar nicht zum Einsatz kam, das wäre ja blöd...

Und ich habe derweil schon das nächste Projekt auf der Nadel - mehr davon ein andermal...

Samstag, 31. Dezember 2016

Ein letztes Mal im alten Jahr...

Da geht es hin, das Jahr - ganz leise...

Nach dem Trubel der Weihnachtstage, viel Besuch (der sich gefühlt seit dem Sommer die Klinke in die Hand gegeben hat), sind jetzt alle abgereist - und es ist so still geworden, dass man nur noch den Wind ums Haus gehen hört und das Holz, dass im Ofen knackt.

Jetzt erst finde ich die Zeit, noch schnell einen Gruß an einen neuen Erdenbürger auf die Reise zu schicken, der schon vor Weihnachten auf die Welt gekommen ist.

Mini-Socken...
Die Söckchen habe ich immer zwischendurch über die Feiertage gestrickt - wie gut, dass Baby's nicht mit Schuhgröße 46 auf die Welt kommen, dann wäre ich nämlich noch nicht fertig...
Für die Karte habe ich dann schwungvoll mit Acryltinte und Pinsel auf dickes Aquarellpapier geschrieben, nach dem ganzen Hin und Her der Feiertage war mir nach etwas Schlichtem.
Jetzt ist alles glücklich verpackt im Postkasten und ich genieße die letzten ruhigen Stunden, die das Jahr noch zu bieten hat mit Tee und Strickzeug vor dem warmen Ofen.




Montag, 5. Dezember 2016

Für Weltenbummler

Im ganzen Stress um die Ausstellung sind nun die Bilder von meinem diesjährigen Adventskalender untergegangen, die ich Euch jedoch nicht vorenthalten will...

Wieder ist nämlich eines meiner Kinder (wenn auch nur vorläufig) zuhause ausgezogen, um die große weite Welt zu erobern. Meine Jüngste wohnt nun bei einer lieben Freundin in Hamburg, um den künftigen Berufswunsch mittels Praktikum zu erproben. Also musste ein neuer Adventskalender her, haben sich die Kinder doch viele Jahre lang 24 Säckchen geteilt, die traditionell ab dem 1. Dezember das häusliche Treppengeländer schmückten.

Letztes Jahr ging ein Kalender nach Großbritannien (hier), dieses Jahr habe ich lange, lange nach einem Stöffchen gesucht, Laden um Laden enttäuscht ohne Erfolg verlassen, ich gestehe, ich bin, was Stoffe angeht, ein "Bauchkäufer" - entweder, es passt auf Anhieb, oder es passt gar nicht.

So hatte ich dann zwar Anfang November vage Vorstellungen, aber keine richtige Idee. Ein Reisekalender sollte es werden, den man so ganz einfach mitnehmen und überall aufhängen kann (schließlich hat nicht jeder das passende Treppengeländer mit Tannengrün im Koffer). Der Kleiderbügel als Aufhängung stand also fest.

Und dann war sie plötzlich da, die zündende Idee: ein Kalender für Weltenbummler sollte es werden, hat das Kind doch dieses Jahr neben Amerika auch England und Frankreich einen Besuch abgestattet. Außerdem wird dem dreimonatigen Aufenthalt in HH ein laaaaaaanger Aufenthalt auf der anderen Seite der Welt, in Australien, folgen.

Der passende Stoff hat sich dann aus Leipzig auf die Reise zu mir gemacht und ich habe mich (zwischen Ausstellungsstress und Keks-Chaos) an die Nähmaschine gesetzt. Tadaaa!

Samstag, 3. Dezember 2016

Der große Tag ist da...

Heute um 11 Uhr beginnt die Vernissage im Bella Donna

Haus in Bad Oldesloe, mein Bild wird dort zusammen mit den Bildern sieben weiterer Künstlerinnen ausgestellt sein - und ich bin aufgeregt... Bilder gibt es dann später (die letzten Tage und Nächte habe ich quasi rund um die Uhr noch an dem Bild gearbeitet, da war nicht einmal mehr Zeit für ein paar Fotos). Habt einen schönen zweiten Advent!

So, hier kommen die Fotos - handygeknipst - für mehr war keine Zeit... denn kaum hatte die Ausstellung offiziell geöffnet, war der Raum so voller Menschen, dass Fotografieren kaum noch möglich war. Der Raum an sich ist wunderschön - und kommt leider auf den Bildern so gar nicht zur Geltung. Wer kann, fährt lieber selber vorbei, geöffnet ist die Ausstellung noch bis zum 18.01.2017 (Mo-Fr, 10-18 Uhr, Bahnhofstr.12, 23843 Bad Oldesloe).

Eindrücke kurz vor Eröffnung der Ausstellung
Die offizielle Ankündigung zur Ausstellung findet man hier: "Winterstille"

"Letzte Chrysanthemen"


Samstag, 26. November 2016

Ein alter Zopf...

Es heißt ja manchmal, man müsse sich von alten Zöpfen trennen. Wieso eigentlich?
Warum kann Hinwendung zu Neuem nicht auch möglich sein, ohne Altes "über Bord" werfen zu müssen? Ist Altes immer schlecht - und Neues immer gut?

Mein Leben lang habe ich mich dagegen gewehrt, von einem Trend, einer Mode, einem "das-macht-man-jetzt-so" vereinnahmt zu werden - in der Pubertät ganz offensiv, im Laufe der Jahre kräftesparender, in dem ich einfach das gemacht habe, was ich gut und richtig fand.

Ganz frei nach dem Lied von Pippi Langstrumpf "... ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!" habe ich versucht, "meine" Welt zu gestalten. Die Bücher habe ich verschlungen und als Kind schon fand ich die Freiheit, die in der von Astrid Lindgren geschaffenen Welt möglich war, beinahe unwiderstehlich. Wie gerne hätte ich in (oder zumindest neben) der Villa Kunterbunt gewohnt! Je länger ich darüber nachdenke, muss ich zugeben, dass ich so zu leben immer noch sehr charmant fände...

Die Freiheit, keinem Zwang, keinem "das-macht-man-aber-so" zu folgen, findet sich nicht zuletzt auch in meinem künstlerischen Schaffen, in dem ich mit meinem Faible für altes Handwerk kombiniert mit neuen Materialien, neuen Ausdrucksformen, meine ganz eigene Welt geschaffen habe.

Aber wie komme ich jetzt darauf? Nun, bis auf wenige (sehr kurze Episoden) in meinem Leben bin ich immer eine "Zopfträgerin" gewesen, neugierig auf Neues, aber auch verbunden mit der Vergangenheit.

Der Zopf muss also mit aufs Bild... aber wie? In meinem ersten gedanklichen Entwurf war klar, dass ich ihn würde plastische arbeiten wollen, als echtes Geflecht aus einzelnen Strähnen. Leider habe ich nicht die gewünschten Perlen in ausreichender Menge bekommen können und habe dann nach Alternativen gesucht. Fazit: In den freien Minuten, die ich nicht damit verbracht habe, an meinem Wintervogel weiter zu sticken, habe ich lange Schnüre aus dünnem Garn gehäkelt und Stück für Stück auf das Bild genäht... Mein alter Zopf:

bekennende Zopfträgerin :)

Mittwoch, 23. November 2016

Ein Wintervogel

Als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit gehört für mich ein Vogel ins Geäst des Baumes. Also habe ich einen Wintervogel mit wenigen Linien auf Stoff skizziert und begonnen, sein Federkleid zu sticken.
Nach den ersten Versuchen mit Stickgarn, die mir aber alle zu grob und nicht glänzend genug erschienen, sticke ich nun mit Nähseide... Also ich sticke schon seit einer ganzen Weile - aber seht selbst...

Gesticktes Gefieder

Fadengewirr auf der Rückseite
Derzeitiger Stand der Dinge
Tatsächlich wird dieser Vogel ein weitgereister Vogel sein, da er mich seit Wochen begleitet, damit ich überall, wo sich ein winziges Zeitloch auftut, jederzeit zur Nadel greifen kann. (Und im Gegensatz zu manchem Projekt, was ich in meinem Leben mit mir herumgetragen habe, ist dieser Vogel recht handlich...)

Dienstag, 22. November 2016

"Nähst Du ein Kleid?

Ich dachte, Du arbeitest an einem Bild..."

Nun, zugegebenermaßen ist dieses Bild nicht wie andere Bilder. Aber das erwähnte ich wohl schon...

Ich habe lange darüber nachgedacht, welches Kleidungsstück denn angemessen wäre, habe ausprobiert und angehalten, gesteckt und wieder verworfen. Es sollte ein Kleid werden, soviel war mir schon im ersten Entwurf klar. Für ein Winterbild wäre wahrscheinlich etwas Wärmendes die erste Idee gewesen, allerdings fühlte sich das für dieses Bild falsch an.
Zerbrechlichkeit und Schutzlosigkeit wollte ich mit einem fast königlich anmutenden Gewand kombinieren. Also ist meine Wahl auf einen leicht transparenten Chiffon gefallen.

Und ich habe wirklich begonnen, ein Kleid zu nähen.

Anfertigen von Kragenblende, Gürtel und Manschetten

Zuerst habe ich Stoff für Gürtel, Kragenblende und Manschetten (ähnlich wie beim Hintergrund) mit Ornamenten aus Acrylfarbe versehen und ihn nachträglich mit Tinte gefärbt.

Stich für Stich - meditatives Nähen mit der Hand
Korpus und Ärmel sind natürlich nicht vollständig um die Figur genäht, aber wer Kleider nähen kann, der kann auch halbe Kleider nähen, die nur aus einer Vorder- oder Rückseite bestehen.

Die einzeln gefertigten Hände habe ich dann mit dem Korpus verbunden, so dass ich mit der Plastizität des fallenden Stoffes im Kontrast zu den gezeichneten Teilen von Händen und Gesicht spielen konnte.

Stich für Stich habe ich Perlen aufgestickt, während meine Gedanken bei den vielen Theaterkostümen und Mittelaltergewändern waren, die ich wirklich (und nicht nur halb) genäht habe, manches Mal an der Maschine, aber oft auch mit der Hand. Schade, dass ich mir nicht öfter mal für so etwas Zeit nehme...
Mein erstes selbstgenähtes Kleid habe ich mit 12 Jahren zusammen mit meiner besten Freundin mit der Hand genäht (allerdings aus der Not heraus, gerade keine Nähmaschine zur Hand zu haben.) Lang ist's her...

Montag, 21. November 2016

Monotypie im Hintergrund

Während sich die meditative Näherei mit der Hand mehr und mehr in die Abendstunden auf dem Sofa vor dem warmen Ofen verlagert und sich naturgemäß nur sehr langsam weiter entwickelt, nutze ich die Nachmittagsstunden im Atelier, um den Hintergrund weiter zu gestalten.
In meinem Entwurf habe ich einen Baum im Hintergrund skizziert, als Symbol für die äußere Winterwelt. Diesen Baum will ich unperfekt, zufällig, rau und eigenwillig. Also habe ich eine Technik gewählt, bei der ich mich auf das Ergebnis einlassen muss, da es sich nur in einem gewissen Maß bewusst steuern lässt.
Für eine Monotypie würde ich im Normalfall Farbe auf eine Platte auftragen, mein Papier auflegen und auf seiner Rückseite zeichnen, malen, reiben, um an bestimmten Stellen durch verstärkten Druck eine Farbaufnahme zu provozieren.


 Nur ist leider mein Hintergrund so groß, dass ich ihn weder alleine händeln kann, noch  passt er auf meinen Arbeitstisch.



Also mische ich die Farben nur sehr kurz und grob und trage sie in der ungefähr geplanten Kontur auf Folie auf. Die Folie wiederum lege ich vorsichtig mit der Farbseite nach unten auf den Stoff und beginne, durch Skizzieren und Reiben auf der Rückseite die Farbe auf den Stoff zu übertragen.


So entstehen neben dem geplanten Baum im Hintergrund des Bildes weitere Details für den Vordergrund...


Samstag, 19. November 2016

Die Chrysanthemenschale

Eigentlich sollte eine Chrysanthemenblüte in meinen geöffneten Händen das Herzstück- und somit auch Namensgeber des Bildes werden. Ursprünglich als Stickarbeit aus gefärbtem Seidenband geplant, konnte ich jedoch kein passendes Seidenband käuflich erstehen - alles, was es zu kaufen gab, entsprach leider nicht meiner Vorstellung.


Also habe ich Chiffonband mit Tinte eingefärbt, um daraus die geplante Blüte sticken zu können. Durch die Transparenz des Bandes fehlte mir nur leider der Kontrast zu den hellen Handflächen. Außerdem verhält sich das Chiffonband beim Sticken ganz anders als Seide, es ist viel sperriger. Kurzerhand habe ich also beschlossen, für die Chrysantheme eine Schale zu sticken. Aus blauem Leinen zugeschnitten, habe ich sie mit Mustern angelehnt an das Blattwerk der Chrysantheme bestickt.


Warum Chrysanthemen? Nun, dafür gibt es vielerlei Gründe...
Die Chrysantheme ist mit die letzte noch blühenden Blumen im Garten, in Japan ist sie Symbol des Kaisers und steht für Unsterblichkeit und Vollkommenheit, in China Symbol für Besinnung, Mut, Bescheidenheit und für ewige Liebe. Neben ihrer symbolischen Bedeutung wird sie in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilpflanze eingesetzt.


Vielleicht sollte es so sein, dass ich das passende Material nicht finden konnte - jetzt liegt die Blüte nicht nur in den Händen, sondern als kostbares Versprechen eines vergangenen Sommers an ein neues Aufblühen nach dem Winter in einer Schale... (als einem Symbol für Weiblichkeit?)




Freitag, 18. November 2016

Es nimmt Gestalt an

Mein Bild nimmt Gestalt an - im wahrsten Sinne des Wortes!



Der Stoff ist zugeschnitten, die Kanten umgebügelt und ich beginne mit der Zusammenstellung der Kleidung.



Wie gut, dass es gerade ein freies Bett im Haus gibt, wo ich ungestört den Stoff drapieren und erst einmal mit Stecknadeln fixieren kann... Ab jetzt wird genäht - und zwar ganz meditativ mit der Hand :)!



Donnerstag, 17. November 2016

Färben des Hintergrundes

Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich mich für Farben und Farbeffekte begeistern kann, egal, wo sie mir auch begegnen mögen? Vielleicht wären die Fotos, die daraus entstehen, auch mal einen Post wert...



Anfang Oktober war das Wetter noch so schön, dass ich mich an das Einfärben des Hintergrundes gemacht habe. Ausgebreitet auf der Wiese konnte ich nach Herzenslust mit Wasser und Tinte experimentieren, aber seht selbst:


Nach dem Färben des Stoffes mit stark verdünnter Acryltinte treten die Motive, die ich ganz zu Beginn als Hintergrundtextur aufgetragen habe, ganz anders in den Vordergrund. Der Plan geht auf...


Um kleinere Passagen für den Vordergrund zu gestalten, experimentiere ich mit Farbauftrag auf nassem/ trockenem Stoff, mit Salz und unverdünnter Tinte.


Und, zu guter Letzt, das Ergebnis des Walzendruckes, jetzt mit gefärbtem Hintergrund...


Mittwoch, 16. November 2016

Zeichnung auf Stoff

Während ich auf gutes Wetter warte, um den Hintergrund weiter einfärben zu können, beginne ich mit dem Entwurf für - ja, was ist es eigentlich? Es ist in gewisser Weise eine Selbstdarstellung, und doch scheue ich mich, von einem Selbstportrait zu sprechen. Viel eher ist es eine Darstellung meines geträumten Ichs.
Als Kind und als Jugendliche habe ich Bücher verschlungen, bin in die Geschichten eingetaucht und eins mit ihnen geworden, auf langweiligen Busfahrten aus dem Fenster schauend habe ich nichts von dem gesehen, was draußen vorbeizog, sondern bin in meinen Gedanken durch Elbenwälder geritten und habe mittelalterliche Burgen bewohnt... Und genau diese Bilder sind es, die durch den Titel "Winterstille", durch dieses kleine Wort wieder lebendig geworden sind.
Diese Traumzeiten sind ein bildgewaltiger und farbenreicher Schatz in mir, den ich lange vergessen glaubte. Es braucht nur ein kleines Wort wie ein Zauberschlüssel und alle diese Schätze sind wieder zum Greifen nah.

Also zeichne ich... mich und doch auch nicht mich, wie man mich "von außen" kennt. Erst ganz zart mit Bleistift, und dann, mutiger geworden, mit schnellen schwarzen Filzstiftstrichen. Und dann mit Filzstift und wasservermalbaren Kreiden auf Stoff.
Diese erweisen sich als sehr eigenwillig, einmal mit Wasser vermalt, entwickeln sie ihren eigenen Entdeckerdrang und breiten sich, anders als in der vorher hergestellten Probe, sehr dynamisch aus. Vielleicht habe ich mit der Probe auch einfach nicht genug Geduld gehabt?

Um plastisch arbeiten zu können, muss ich die Hände noch einmal separat skizzieren und später mit dem restlichen Körper zusammen setzen. Aber dazu später...

Montag, 14. November 2016

Das Abenteuer beginnt

Es ist soweit: das Material liegt größtenteils bereit, ich habe meinen Ateliertisch frei geräumt und das Wagnis kann beginnen. Gebunden an einen Papierentwurf fällt es mir nun doch schwer, anzufangen. Aber die Ausstellung rückt unerbittlich näher. Noch ist es draußen so warm, dass ich nicht wirklich in Winterstimmung komme, aber den Hintergrund - den kann ich ja schon einmal vorbereiten...


Wenn ich mich auch ganz klar für die Farben eines Wintertages draußen entschieden habe, so soll das Bild doch außen und innen, draußen und drinnen verbinden. Also fange ich an, den Hintergrund im Stoffdruck zu gestalten, der mich an Tapetenmuster auf alten Wänden erinnert.


Eine Ecke des Bildes soll einen winterlichen Baum zeigen, dort gestalte ich den Hintergrund mit einer alten Gummi-Walze, deren zartes Blattmotiv ich hier als Textur verwenden will. Mit einer Decke unter dem Stoff hoffe ich, den Farbauftrag so zu beeinflussen, dass er ganz zart, wie gefroren und zerbrechlich auf dem Stoff erscheint. Vielfarbig und verblichen, rauh und ungleichmäßig, wie nach langer Nutzung.


Wieder mische ich Braun und Blau, diesmal auf meiner Gelatine-Platte, nehme die Farbe mit der Walze auf  und freue mich, dass das Ergebnis tatsächlich so wird, wie ich es mir vorgestellt habe - etwas Wagnis ist ja immer dabei...


Sonntag, 13. November 2016

Erste Entwürfe / Winterstille


Irgendwann im Sommer muss es gewesen sein, dass ich zugesagt habe, an einer Ausstellung des KünstlerinnenForums aus dem BELLA DONNA HAUS in Bad Oldesloe teilzunehmen.


"Winterstille" 

ist das Thema, welches trotz flimmernder Hitze draußen sofort erste Bilder in meinem Kopf produziert hat.
"Winterstille" ist für mich (neben der üblichen Vorstellung verschneiter, glitzernder Zauberlandschaft) ein Begriff, den ich in erster Linie mit ganz viel Handwerk verbinde. Es ist die Zeit des Jahres, in der sich die Stunden, die man draußen verbringt, zugunsten der Stunden reduzieren, die man vor dem Ofen mit all den wunderschönen Dingen verbringen kann, die ich eben auch für mein Leben gerne tue: Sticken, Nähen, Stricken, Häkeln - Frauen-Handwerk eben. Allerdings gibt es bei mir selten Vorgefertigtes (nacharbeiten finde ich furchtbar langweilig), sondern meistens entsteht etwas aus der Faszination für ein bestimmtes Material, ein hübsches Stöffchen, zarte Fäden, buntes Glas in Perlen, mich begeistert die Kunst aus vielem Kleinem ein großes Ganzes zu fügen. Farbiges Garn, dass sich so wunderbar ergänzt, verleitet mich dazu, einfach darauf los zu arbeiten. Sticken ist wie malen - nur dauert der Prozess (zumindest bei mir) so viel länger, dass es dann eben doch nicht wie malen ist...
In meinem Kopf sammelten sich also Ideen für ein handwerkliches Bild. Die ersten Entwürfe zur Farbigkeit, zum Motiv habe ich dann zum Treffen der Künstlerinnen schnell in mein ArtJournal skizziert - etwas, was ich normalerweise nicht tue.



Ich zeichne keine Entwürfe - zumindest tue ich das nicht auf Papier und für alle Welt nachvollziehbar. Eigentlich entstehen meine Entwürfe in meinem Kopf. Es dauert dann oft eine ganze Weile, bis ich sie tatsächlich in die Tat umsetze. In der Zwischenzeit entstehen dann Nebenprodukte dieser Suche, wenn ich Techniken ausprobiere, mit denen sich das, was in meinem Kopf schon Gestalt angenommen hat, auch in die Tat umsetzen lässt. Wer mich dabei beobachtet, ist oft mehr als einmal irritiert über die Umwege, die so eine Idee dann durchaus nehmen kann. Die Frage: "Wolltest Du nicht eigentlich...?" kann ich dann oft nur mit einem hilflosen Schulterzucken beantworten. Wie soll ich das erklären, dass ich gerade ein Blütenbild zur Vorbereitung von Eiskristallen male?


So ist dann auch dieser Entwurf nur ein fragiles Liniengespinst, was ich mittlerweile stückchenweise mit Leben fülle. Mehr als das darf so ein Entwurf auch nicht sein, denn, einmal auf Papier gebannt, verliert er die Fähigkeit, zu wachsen und sich zu entwickeln. Denn das tun meine Bilder immer: sie wachsen und entwickeln sich, einmal in die Welt entlassen, im Prozess weiter, als der Entwurf vorweg nehmen kann. Mehr zum Werden und Wachsen dieses Bildes in den nächsten Tagen hier im Blog - natürlich bin ich dem Schreiben schon ein Stück voraus... und werke Stunde um Stunde und vergesse so manches Mal, dass ich den Prozess ja eigentlich dokumentieren will.

Montag, 19. September 2016

Ein erster Geburtstag

Was verschenkt man zum ersten Geburtstag? Spielzeug? Hm... aus eigener Erfahrung als Mutter weiß ich, dass a) fast alle auf diese Idee kommen und b) die Kleinen meist mehr davon besitzen, als ihnen wirklich in diesem Alter gut tut. Trotzdem möchte man ja ein Geschenk dabei haben...

Also habe ich mich auf einen Streifzug durch meine Stoffkisten gemacht - das wirkt ja bekanntermaßen anregend auf kreative Gemüter - und bin auf ein paar Stoffreste von Stoff & Stil gestoßen, aus denen ich genau vor einem Jahr eine Krabbeldecke zur Geburt verschenkt habe...

Beim Zusammenstellen der Decke hatte ich damals beschlossen, für den besseren Gesamteindruck eine Reihe weniger zu verarbeiten, als ursprünglich geplant. Was macht man mit so einer Reihe aneinandergereihter Dreiecke? ... ???...!!!

Die Form hat mich erst einmal dazu inspiriert, eine Namens-Wimpelkette in Angriff zu nehmen, schließlich hat der junge Mann nach dem Umzug in eine größere Wohnung sein erstes eigenes Zimmer bekommen. Also habe ich ein paar Reste im Farbschema der Krabbeldecke zusammen gesucht, Buchstabenschablonen entworfen und mich an die Nähmaschine gesetzt.

Und, wer hat's erraten, wie der junge Mann heißt?
 Wimpelkette fertig - Rest von der Krabbeldecke immer noch vorhanden...

... Streifen geteilt, zum Rechteck zusammengesetzt, Schrägband als Akzent aufgesteppt, aus einem winzigen Restchen die süßen Eulen von der Krabbeldecke ausgeschnitten und appliziert, kuschelweichen Fleece als Rückseite benutzt und noch schnell den Namen aufgestickt... Tadaa! Fertig ist das persönliche Kuschelkissen! Passend zur Decke - die ich damals leider zu fotografieren versäumt hatte... (Das könnte eventuell daran gelegen haben, dass ich wieder mal erst kurz vor knapp fertig geworden bin und mir die Zeit weggelaufen ist - keine Ahnung, warum das immer so kommt...)



Aber dieses Mal habe ich dann alles zufrieden (und rechtzeitig!) eingepackt und wir sind das Geburtstagskind besuchen gefahren - und, was soll ich sagen? Die Mama hat sich gefreut, der junge Mann jedoch zeigte sich (wie eigentlich schon erwartet) äußerst desinteressiert, war doch die Wohnung mit Luftballons geschmückt und voller Gäste, von denen man sich auf dem Arm herumtragen und bespaßen lassen konnte, was eindeutig sehr viel spannender war :).



Und ich habe tatsächlich endlich geschafft, die erste Wimpelkette meines Lebens zu nähen (was ich eigentlich zur Gartendeko schon seit gefühlten 20 Jahren vor habe... Aber wie das halt so ist: wenn, dann näht man zuerst einmal für alle anderen...

Samstag, 16. Juli 2016

Ausnahmezustand

Seit zwei Wochen befinde ich mich in eben diesem, denn nachdem ich jetzt ein halbes Jahr so vor mich hin entworfen, gezeichnet, digitalisiert habe und mich vor zwei Monaten zu einem Mietregal in Lübeck durchringen konnte, um mal einen Testballon steigen zu lassen, habe ich vor zwei Wochen die Möglichkeit bekommen, dieses Wochenende als Austeller bei einem kleinen, aber sehr feinen und mit viel Liebe gemachten Historischen Markt teilzunehmen.

Ich werde also in Reinfeld beim

X. Historischen Markt

des Rollenspielvereins Farmion teilnehmen, der auch dieses Jahr wieder Kunsthandwerker aus der Region eingeladen hat, sich am Markttreiben zu beteiligen.

Also gab es nichts anderes mehr als Marktvorbereitung in meinem Leben -ähem ;) ...

...zumindest wäre das so dann sehr entspannt gewesen - schade nur, dass der ganz normale Alltags-Wahnsinn so nebenbei noch weiter läuft, von dem man im Normalfall immer denkt, er sei ausreichend, um Tage und Wochen zu füllen.

Wer Lust hat, vorbei zu schauen, findet mich heute ab 12 Uhr und morgen ab 10 Uhr in der Pausenhalle der Matthias-Claudius-Schule in Reinfeld!

Und hier ein klitzeklitzekleiner Einblick, in das, was mich in den letzten 14 Tagen dann so umgetrieben hat (irgendwann habe ich dann nämlich keine Fotos mehr gemacht, aber das hole ich noch nach):

Strickspitze nach historischen Vorbildern

Ausmalmäppchen für entspannte Augenblicke
Mobiles zum Ausmalen, Verschenken... was immer Ihr wollt :)

Dienstag, 29. Dezember 2015

Gegen den Winterblues


Zum Geburtstag meiner allerbesten Freundin aus Kindertagen habe ich mir eine Wolle von Lang herausgepickt, der Strang hat einen wunderschönen Farbverlauf - es war Liebe auf den ersten Blick...

Eigentlich wollte ich ein ganz schlichtes Dreieck-Tuch daraus stricken, nur leider gefiel mir der Farbverlauf gestrickt dann gar nicht mehr, ich war ganz enttäuscht. Tapfer habe ich aber dennoch weiter gestrickt - das gibt sich bestimmt noch... getragen sieht das Tuch bestimmt ganz anders aus...
Ich habe es fertig gestellt, der Schneiderpuppe um den Hals drapiert... es wurde nicht besser.

Also habe ich es wieder aufgeribbelt. So schöne Wolle :(...
Doch dann kam die rettende Idee: frei nach einer Anleitung von Christy Kamm, die es auf Ravelry zum freien Download gibt, habe ich einen Zickzack-Loop gestrickt.


Dazu habe ich die Wolle erst einmal ganz abgewickelt, den Faden in der Mitte geteilt und beide Fäden jeweils zum Knäuel gewickelt- das eine davon in der entgegengesetzten Richtung. Jetzt gefällt mir der Farbverlauf, da sich die Farben witziger Weise gegenläufig trotzdem im Block getroffen haben.






Samstag, 19. Dezember 2015

24 Individualisten-Säcke...


... für eines von drei sehr individuellen Kindern :)...
Dieses Jahr war es so weit, das erste Kind von dreien hat das heimatliche Nest verlassen und ist zum Studium ausgewandert, und wenn ich ausgewandert sage, dann ist das wörtlich zu nehmen, das Kind studiert in England.
Somit rief eine Tradition nach Erneuerung: der Adventskalender.


Seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich 24 Säckchen in liebevoller Kleinarbeit über Monate hinweg mit 72 kleinen Geschenken gefüllt, damit sich die Zeit bis Weihnachten nicht so lang anfühlen sollte.


Süßigkeiten durften neurodermitisbedingt nur in Maßen hinein, also war Erfindergeist und Handwerk gefragt, damit wenigstens im Dezember keiner von den dreien Probleme mit dem morgendlichen Aufstehen hatte. Erstes Highlight des Tages war es, am Treppengeländer nach dem passenden Säckchen zu suchen. Voraussetzung: Alle waren gewaschen und angezogen! Funktionierte (meistens) super.



Mit den Jahren ist es nicht leichter geworden, die Säckchen zu füllen, selbstgenähte Puppenkleider und Stofftier-Pullover haben ausgedient, auch ist kein Kaufladen und keine Kinderküche mehr zu bestücken, Legosteine werden auch nicht mehr heiß ersehnt - eine echte Herausforderung!
Einen Moment lang beschlich das England-Kind auch die Panik, dieses Jahr könne es endgültig vorbei sein mit den liebevoll gefüllten Überraschungs-Säckchen am Treppengeländer.

"Mama!" - unglaublich, wie viel gelebte Emotion, wieviel Frage und Flehen in ein einziges Wort passt!
Also habe ich (noch im gefühlten Sommer) lange hin und her überlegt, tolle, spektakuläre, (aufwändige) Ideen gehabt und wieder verworfen, habe im Fundus gekramt und mich dann doch für traditionelle Säckchen entschieden.


Allerdings habe ich sie nicht aus bunten Weihnachtsstoffen genäht, sondern aus alten Spitzendeckchen und Borten, Bettwäsche meiner Großmutter und anderen Schätzen. Farblich habe ich mich für gedeckte Naturtöne und Weiß entschieden, damit der Kalender hoffentlich jedem Wohnstil gerecht werden kann.
Die Anhänger aus Pappe habe ich mit Gesso und einer Schriftschablone verziert, 24 Überraschungen besorgt und dann viele Stunden an der Nähmaschine verbracht.


Als Treppengeländer-Ersatz, da das Kind ja auch keine Nägel in die Wände schlagen darf, habe ich schließlich beim Schwedischen Möbelriesen ein schlichtes Dekogestell erstanden, mit den Säcken behängt und in einem groooooßen Paket gerade noch rechtzeitig nach England geschickt.

Und da der Kalender mittlerweile in Benutzung ist, kann ich ihn jetzt getrost hier zeigen (was ich, neben vielen anderen kreativen Dingen, die ich gerade so ausbrüte, schon seit Wochen vorhabe - alle Selber-Bastler wissen, wie unglaublich schnell und nahezu unerwartet plötzlich das Weihnachtsfest in erschreckende Nähe rutscht, während sich die zur Verfügung stehende Zeit antiproportional zur noch zu leistenden Arbeit entwickelt...)


Tadaaa! Hier sind sie, die 24 Individualisten-Säcke!


Sonntag, 11. Oktober 2015

Aus Alt mach Neu



Kennt Ihr das auch? Seit über einem Jahr liegt auf meinem Arbeitstisch Stoff, den ich gekauft habe, um mir endlich mal eine neue Handtasche zu nähen... und er liegt und liegt und rührt sich nicht - und ich kann mich nicht entscheiden, wie die Tasche denn jetzt genau werden soll. Ich müsste ja auch erst einen Schnitt machen.
Außerdem sind da ja auch noch so viele andere Dinge, die dringend erledigt werden wollen und ich habe ja auch mehr als eine Tasche, die durchaus funktionabel ist... Also prokrastiniere ich so vor mich hin.

Letztendlich habe ich es dann aber doch an die Nähmaschine geschafft, aber nicht, um die Tasche aus dem wunderschönen Stoff zu nähen, sondern, um aus gegebenem Anlass zwei Lieblingsjeans zu neuem Leben zu verhelfen - sprich: Jeans mit Löchern mögen zwar modern sein, trotzdem entscheidet man(n) lieber selber darüber, an welchen Stellen sich der "Used-Look" einstellen darf und an welchen nicht. Leider hatten die Hosen sich anders entschieden und den Geist an viel beanspruchter Stelle aufgegeben, die dann doch nicht so genehm war. Also habe ich eine dritte Jeans geopfert und die beiden anderen möglichst geschickt und unsichtbar repariert.
Wie so oft im Leben war dadurch dann irgendwie der Knoten geplatzt, hielt ich doch nun eine schon zerschnittene Jeans in den Händen, die jetzt gewissermaßen "übrig" war. Kein neues, unberührtes Stück Stoff, aus dem unbedingt etwas Hübsches werden soll, sondern einfach nur ein Rest, zu Schade zum Entsorgen und doch so auch nicht mehr brauchbar...

Diese Hosenbeine... wenn man die... und dann...
Zack, war die Schere am Werk und der Taschenzuschnitt da :), so schnell kann das gehen! Stoff für ein Innenfutter, einen Reißverschluss, etwas Spitze fürs I-Tüpfelchen zu finden, in diesem Haushalt und in den Kisten voll mit Sammelleidenschaft der letzten Jahrzehnte auch überhaupt kein Problem! Fazit: es lebt und arbeitet sich oft leichter, wenn man etwas nicht von langer Hand plant, sondern die Gunst der Stunde nutzt! (Das setzt allerdings leider voraus, dass man auf diesen Moment kreativen Schaffensdranges durch einen adäquaten Fundus jederzeit vorbereitet sein muss!)



Für alle, die der Werdegang interessiert, hier ein paar Bilder und eine ungefähre Anleitung - wie so oft bei diesen spontanen Stücken gibt es wenige Maße und Regeln, hier ist kreatives Denken und Improvisationstalent gefragt!


Zuallererst habe ich den Saum beider Hosenbeine abgeschnitten und mir dann mit einem Faden den ungefähren Zuschnitt-Verlauf markiert. Henkel und Beutel sollten in einem Stück geschnitten sein - um die Länge des späteren Henkels ungefähr abschätzen zu können, habe ich einfach das Maßband an die Schulternaht meines Pullis gehalten und bin so auf ca. 40cm gekommen, damit die Tasche nicht zu tief baumelt. Um einen möglichst großen Taschenbeutel zu erreichen (ich LIEBE Handtaschen, in denen man quasi wohnen kann), habe ich ungefähr in Kniekehlenhöhe mit dem Bogen angesetzt und von der Innennaht am Hosenbein hoch zur Seitennaht geschnitten. Mit dem so zugeschnittenen Bein habe ich den Schnitt dann spiegelverkehrt auf das andere Hosenbein übertragen. Als nächstes habe ich das Hosenbein (da Vorder- und Rückseite der Hose nicht gleich breit waren) ca. 1cm neben der gesteppten Innennaht aufgeschnitten.


Um die fehlende Weite des vorderen Hosenbeines auszugleichen, habe ich einen schmalen Streifen Jeans mit einem passenden Stück Spitze aus einer alten Tischdecke belegt und mit der Nahtzugabe zwischen beide Hosenbeine gesteppt, die andere Naht ebenfalls geschlossen: fertig war der Beutelrohling. Spontan habe ich die untere Kante dann etwas abgerundet, weil es mir besser gefiel.



Mit diesem Rohling als Schnittmuster habe ich dann einfachen Baumwollstoff für den Innenbeutel zugeschnitten. Da das Stoffstück nicht groß genug war, um den Innenbeutel aus einem Stück zu schneiden, habe ich mich entschlossen, den Reißverschluss nicht oben an der Öffnung, sondern ein Stück nach innen versetzt anzubringen. Das untere Futterstück reicht bis ca. 4 cm unter die Öffnung, ist gerade abgeschnitten und oberhalb ist ein zweites Stück mit angedeutetem Henkel angesetzt. Da der Reißverschluss aus dem Fundus nicht lang genug war, habe ich ihn seitlich zwischen zwei ca. 5 cm breite doppellagige Stoffstreifen gesteppt, die fehlende Länge am Anfang und am Ende durch je ein doppellagiges Dreieck ergänzt und diesen Streifen dann einfach beim Zusammenfügen der beiden Teile des Innenbeutels zwischen den Lagen mit eingesteppt. Als kleines Goodie habe ich mir ein Schlüsselfinderband mit Karabinerhaken und die eine Gesäßtasche der Jeans als Handytasche auf den Innenbeutel genäht.


Auf den Bildern ist die eine Hälfte des Innenbeutels noch "solo", beim Zusammennähen der zweiten Seite muss natürlich auch der Streifen mit dem Reißverschluss zwischen gelegt werden. Im nächsten Schritt habe ich den Außenbeutel unten zugesteppt und ihn dann mit der schönen Seite nach außen gewendet, beim Schließen der Seitennaht des Innenbeutels habe ich eine Lücke von 20 cm zum Wenden des Ganzen gelassen. 


Der Innenbeutel bleibt so, wie man ihn genäht hat (also auf Links), dann wird der Außenbeutel durch den geöffneten Reißverschluss in den Innenbeutel gesteckt, bis die spätere Taschenöffnung beider Beutelteile aufeinander liegt. Jetzt steckt man jeweils eine Lage aus Jeans-Außenbeutel und Baumwoll-Innenbeutel aufeinander und steppt die jeweilige Naht schmalkantig zusammen. Der Beutel lässt sich nun durch die Öffnung im Innenbeutel wenden, die nach dem Wendevorgang geschlossen werden kann. Im nächsten Schritt habe ich die Schulternaht des Henkels aus beiden Trägerteilen zusammen gefügt und danach die Nahtzugabe des Henkels nach innen gebügelt und den Henkel zugesteppt. Wichtig ist dabei, auf jeden Fall bis zu der Stelle zu steppen, an der das Innenfutter anfängt. Noch Fragen? :) Immer her damit! Und ich werde noch ein paar Fotos der fertigen Tasche machen - und hoffen, dass das selbsterklärend ist :)