augenblick & eigensinn: ArtJournal
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Donnerstag, 31. März 2016

Ein klitzekleiner Blick...

ins ArtJournal...




Während der "junge Mann" im Papa-Urlaub in meinem Behelfs-Atelier Geschenkpapier für das Geburtstagsgeschenk seiner kleinen Schwester gestempelt hat, hatte ich nach einer gefühlten Ewigkeit ein wenig Muße für eine schnelle ArtJournal-Seite.

Beim vorletzten... oder vor-vorletzten... oder noch weiter zurückliegenden DIY, was es irgendwann hier auf den Blog schaffen soll (zumindest habe ich fleißig Fotos gemacht), hatte ich eine Pinsel-Ladung grünlich-grauer Kreidefarbe übrig. Wer mich kennt, weiß, dass ich Farbe schlecht einfach unsinnig entsorgen kann (was im übrigen auch nicht gut für die Entwässerungsrohre ist), sondern sie lieber schon mal irgendwo vorsorglich "wegbrauche". Bei kleinen Mengen landen die Reste auf einer leeren ArtJournal-Seite oder ergänzen eine schon angefangene, größere Mengen werden gleich auf Leinwänden als erste Schicht weiterverarbeitet. So ergeben sich im Laufe der Zeit oft ganz interessante Zusammenstellungen, die sonst so vielleicht nie zueinander gefunden hätten.

Diese Kreide-Seite lag noch auf meinem Arbeitstisch zum Trocknen, wo ich sie irgendwann liegen gelassen hatte. Also habe ich kurzerhand mit dem Sharpie, einem weißen Lackmaler aus den USA, darauf herumgedoodelt, während ich den fleißigen Stempler zu neuen Farbkreationen ermutigt habe.
Da der Lackstift relativ dick ist, war die Seite entsprechend schnell gefüllt. (Ich gebe zu, das Motiv ist etwas üppiger ausgefallen, als man das sonst von mir gewohnt ist, aber es war ja gar nicht sicher, wie lange so eine Geschenkpapier-Stempel-Aktion dauern würde...)



Nun, das Geschenkpapier war dann doch vor mir fertig, ich durfte es als Hintergrund fürs Foto nehmen.

Das könnte ruhig ein bisschen bunter sein, befand der junge Mann (der gerade sämtliche Farbregister seines Tuschkastens ausprobiert hatte...)



Also habe ich unter kritisch beobachtenden Blicken ganz zart mit meinen Neocolor (wasservermalbare Wachsmalkreiden) die Blüten coloriert (wohl wissend, was passieren würde, wenn man dann noch mal mit Wasser an die Sache heranginge).
Der Blick wurde immer kritischer, bis irgendwann ein vorwurfsvolles: "Ich hatte BUNT gesagt!" herausplatzte.

Jetzt kam das Wasser ins Spiel - ich bin jedes mal aufs neue begeistert, wie viel Farbe dann plötzlich wie durch Zauberhand auf dem Papier ist! Und das immerhin auf graugrünem Kreidefarben-Hintergrund! Der Sommer kann kommen!







Jetzt ist diese Seite übrigens bunt genug! :)

Dienstag, 13. Oktober 2015

Apfelzeit



Es ist soweit: Dieses Jahr hängen dicke rote Boskop-Äpfel in unseren beiden Apfelbäumen, leuchten mit der Sonne um die Wette und warten darauf, endlich gepflückt zu werden. Nachdem uns die Bäume im letzten Jahr mit viel zu früh abgeworfenen grün-braunen schorfigen "Wenn-ich-groß-bin-werde-ich-vielleicht-mal-ein-Apfel" bombardiert haben, sieht es so aus, als wären selbstgemachtes Apfelmus, getrocknete Apfelringe, Apfelkuchen und Bratapfel in der Adventszeit in diesem Jahr eine gute Idee. Mmhh, ich habe schon fast den Duft in der Nase...


So viel Äpfel haben mich auf die Idee gebracht, doch die Ölpastel-Kreiden endlich mal auszuprobieren, die ich schon vor längerer Zeit geschenkt bekommen habe. Also habe ich einen schnellen Apfel in mein ArtJournal gemalt und mich an dem weichen, satten Farbauftrag der Kreiden und den leuchtenden Farben gefreut.



Apfelzeit, das ist leuchtend blauer Himmel, klare Luft, das dunkle Grün der Blätter und die Verlockung der vielen duftenden rotbackigen Äpfel.



Den roh skizzierten, nicht komplett ausgemalten Apfel habe ich dann mit einem breiten Pinsel mit blauer Acryltinte überzogen, die auf den Ölkreiden abperlt und vom Aquarellpapier meines Buches durstig aufgesaugt wird. Eine Technik, die sicher jeder noch aus der Grundschule mit Wachsmalern und Tuschkasten kennt. Einfach, aber wirkungsvoll.



So, genug geschrieben und gemalt, ich gehe jetzt raus, pflücke ein paar Äpfel und fange an, Apfelmus zu kochen :) ...


Montag, 28. September 2015

Ein kurzer Blick in mein ArtJournal



Ein kurzer Spaziergang um den Neuhofer Teich in Reinfeld, wunderschöne Herbstsonne im Spiegel auf dem Wasser, ein Moment der Ruhe auf einer Bank mit Blick auf den See - ich fühlte mich inspiriert, endlich mal wieder ein wenig Zeit im Atelier zu verbringen, was in den letzten Monaten viel zu selten der Fall gewesen ist.

Für kurze Augenblicke der Kreativität bietet sich immer mein ArtJournal an, in dem viele Bilder einfach so, ganz zufällig, ungeplant aus einer Laune heraus entstehen. Manche Seiten schlummern auch eine ganze Weile im Dornröschenschlaf, bis ich sie durch Zufall wieder hervor hole und fertig stelle.



Auf dieser Seite hatte ich schon vor Wochen einen Rest Impasto-Gel in Kombination mit einer selbstgemachten Schablone (hier) verarbeitet. Nun ist noch eine Schicht Neocolor (wasservermalbare Wachsmalstifte) von Caran D'dache hinzu gekommen, der aufgeklappte Kasten lag so einladend auf dem Tisch...



Das Ergebnis hat mich dann an einen Schnipsel aus einer Zeitschrift erinnert, also habe ich ihn mit Washi-Tape eingeklebt - und überlegt, ob ich noch mehr aus dieser Seite machen will, oder ob sie so schlicht bleibt. Ihr seht ja, wofür ich mich entschieden habe :)...

Montag, 12. Mai 2014

Ich lebe noch... oder: Ich liebe die Vielfalt!




Ja, ich lebe noch, mich gibt es noch und ich arbeite still vor mich hin :)
Nach einigen turbulenten Wochen mit Kinder-Ferienbesuch über die Ostertage und dem Besuch meiner Kinder mit allem Drum und Dran war viel Arbeit liegen geblieben, die erledigt werden wollte (und noch erledigt werden will). Außerdem wühle ich mich durchs Internet, um meine Selbständigkeit vorzubereiten, potentielle Ausstellungsorte für meine Bilder zu finden und und und...
Zu allem Überfluss machen die Frühlingsstürme mit ihren Regenfluten unserem alten Dach zu schaffen (und alarmierende Tropfgeräusche lassen uns immer wieder aufschrecken), und der Küchenabfluss ist immer noch verstopft (und dessen Ursache noch nicht aufgespürt). Das Haus fordert uns also auch, da mal endlich einiges in Angriff zu nehmen. Also sind wir viel durch die Gegend gefahren, haben uns Fenster und Baustoffhändler angesehen, viele Gespräche geführt, mit Ämtern telefoniert, was halt alles so dazu gehört. Trotzdem ist die Kunst nicht ganz zu kurz gekommen, in den letzten Tagen habe ich mich für eine Auszeit in meinem Behelfsatelier vergraben, um Zeit zum Nachdenken zu finden. Zwei Leinwände habe ich angefangen zu bearbeiten, sie sind noch im Prozess, an meinen Gelli-Platten-Drucken habe ich weiter gearbeitet, aber das wird ein anderer Post...
Hier kommt heute ein kleiner Einblick in mein ArtJournal, meine "Nebenbei-Aufwärm-Ich-habe-noch-Farbe-übrig"-Projekte, die Seiten, die ich zum "Warm-arbeiten", zum Experimentieren nutze, oder um meine Atelierstunden ausklingen zu lassen. Wenn ich durch die Seiten blättere, bin ich immer wieder von seiner Vielfalt überrascht, diese Art des Tagebuches für mich zu entdecken, war ein absoluter Glücksgriff!


Als ich mit diesem Bild anfing, hatte ich eigentlich nur Farbe vom Streichen eines kleinen Schränkchens übrig und wusste nicht, wohin damit :) - Meistens sind das die besten Bilder, bei denen man vorher nicht weiß, wohin einen der Pinsel führen wird...


Zwischendurch, als es um die Ostertage so schön warm war, habe ich einen kleinen Ausflug mit dem Tintenfüller und meinem ArtJournal durch unseren blühenden Garten gemacht, weil ich ich das Gefühl hatte, die Kunst schon viel zu lang vernachlässigt zu haben. Hier und da habe ich etwas halbherzig skizziert und irgendwann das Buch zur Seite gelegt.
Als ich dann an einer Leinwand gearbeitet habe und mich wieder mal in Geduld üben musste, um einem Trocknungsprozess die nötige Zeit zuzugestehen, habe ich angefangen, die Zeichnungen mit Aquarellstiften zu kolorieren, jetzt mag ich diese Seite doch ganz gut leiden...


Seit meinen Gelatine-Platten-Drucken liegen in meinem Atelier die Küchenrollentücher, die ich zum Trocknen der Schablonen benutzt habe. Ich konnte sie einfach nicht wegwerfen, weil die Farbverläufe darauf so spannend waren. Also habe ich sie in einzelne Lagen getrennt und für eine weitere Seite in meinem ArtJournal verwendet. Servietten-Technik sozusagen mit selbstgemalten Servietten...



Ich liebe solche Experimente! (Und ich bin froh, dass ich die Küchentücher nicht entsorgt habe, auch wenn ich mich bei solchen Aktionen immer ertappt fühle, wenn mir die Frage: "Ist das Kunst oder kann das weg?" begegnet.)

Als letztes nun ein Experiment mit Klebefolie über einer selbstgestalteten Schablone auf einer einfachen Werbe-Wurfsendung ... aber seht selbst!


Mehr von mir gibt es in den nächsten Tagen, da sind noch sooo viele Fotos, die vorgestellt werden wollen :).

Donnerstag, 20. Februar 2014

Die Zeit verrinnt

Vorgestern Abend habe ich mir mal wieder Zeit für mein ArtJournal genommen und an der Seite weitergearbeitet, die ich schon am 05.02. begonnen hatte und die seitdem darauf gewartet hat, dass mir die zündende Idee kommen würde. Da die Idee auf sich warten ließ, habe ich in der Zwischenzeit gedoodelt und viele andere Dinge gemacht, aber Papier ist ja zum Glück geduldig!


Mit Aquarell-Buntstiften habe ich in Frottage-Technik diverse Schablonen übermalt. Dann wollte ich das ganze mit eingefärbtem Gesso weiterbearbeiten. Um die Frottage-Schicht zu schützen, habe ich sie mit einem trockenen Pinsel und verdünntem Holzleim überstrichen. Dadurch wurden die Farben leuchtender, ohne dass der Aquarell-Effekt einsetzen konnte. 


Mit dem eingefärbten Gesso habe ich dann mit einer Schablone Schrift und Struktur hinzugefügt. Leider hat mein neues ArtJournal aber ja das Problem, dass sich die Seiten herauslösen. Also habe ich die Buchmitte mit Maskingtape gesichert, die Hände mit einem wasservermalbaren Grafitstift auf Zeichenpapier skizziert, mit etwas Aquarellstift akzentuiert und mit Wasser vermalt. Dann habe ich sie ausgeschnitten und nach dem Aufkleben noch mit schwarzem Aquarellstift und Wasser konturiert.


"Manchmal denke ich, die Zeit zerrinnt wie Wasser in meinen Händen."


Eine neue Seite in meinem ArtJournal ist fertig - und ich habe jetzt schon wieder mehr neue Ideen, als ich wahrscheinlich hineinmalen kann...

Mittwoch, 5. Februar 2014

Manchmal genügt schon ein Lächeln


Wie viel kann ein Lächeln bewirken! Lächelt man beispielsweise beim Spaziergang Menschen an, die einem begegnen, passiert es oft genug, dass sie mit einem Lächeln antworten. Oder wir selber antworten mit einem Lächeln, weil uns ein anderer Mensch mit einem Lächeln begegnet. Es liegt so ein Zauber in dieser einfachen Mimik. Ungesagt entsteht oft Verständnis für eine Situation. Es braucht dann keiner erklärenden Worte. Ein Lächeln ist ein Türöffner, läd uns ein.


Sonntag, 26. Januar 2014

Ein neues Jahr




Ein neues Jahr hat begonnen - zugegeben, es ist schon wieder etwas älter, nicht mehr so ganz frisch - aber ich bin im Stress der vergangenen Wochen und Monate mit Hauskauf und Umzug selten dazu gekommen, mir eine Kreativ-Pause zu gönnen und merke mittlerweile, wie sehr mir das fehlt. 
Da sich die Seiten meines alten ArtJournals, das mich von 2012 bis 2013 begleitet hat, alle in der Zwischenzeit gefüllt haben, wurde es Zeit für ein neues Buch - Zeit für Kunst!



Seit zwei Tagen nun bin ich endlich wieder im Besitz eines Schreibtisches und habe wieder eine Ecke für mich, in der ich schalten und walten und Chaos anrichten kann, wie es mir beliebt, eine lange vermisste Freiheit! 
Am Esstisch im Wohnzimmer zu arbeiten, kann zwar ganz nett sein, strapaziert aber erstens die Geduld aller, die diesen Tisch zwischendurch auch mal für so profane Dinge wie eine Mahlzeit nutzen wollen und zweitens ist es mühselig, immer all das Material, was gut verstaut in Kisten schlummert, heraus kramen zu müssen. 


Was wäre das neue Jahr ohne gute Vorsätze?
Ich mir vorgenommen, meine kreativen Pausen ernster zu nehmen, (Sinnbild für Pause ist die Tasse Milchkaffee auf meinem Schreibtisch, deshalb hat sie es auch aufs Titelbild geschafft), die Posts immer direkt zu schreiben, damit nicht so viel Fotomaterial im Dämmerschlaf auf meiner Festplatte verbringt und dem Traum vom eigenen Atelier näher zu kommen. Der Raum ist da, er muss "nur" renoviert werden - und so, wie er gerade noch aussieht, reicht das als guter Vorsatz für mehr als ein Jahr!




Freitag, 10. Mai 2013

Lichtblick Zukunft


Wieder einmal ist es die Zufallsmischung in der Post, die mich zu diesem Bild inspiriert hat: Kennt ihr die von innen bedruckten Umschläge, in denen Post verschickt wird, die man von außen nicht erkennen soll? Als ich den Umschlag in der Hand hielt und dieses seltsam verschlungene Druckmuster in seinem Inneren betrachtet habe, hatte ich das Gefühl, dass es in meinem Kopf gerade nicht besser aussieht - alles grau in grau und sehr wirr.
Wie soll meine Zukunft aussehen? So grau und wirr jedenfalls nicht!
Mein Blick fiel auf die Werbung eines großen schwedischen Möbelhauses und die bunten Vögel lachten mich an... So soll Zukunft aussehen: Licht und leicht und bunt!

Donnerstag, 9. Mai 2013

Ein Wochenende in Wolfsburg

Die nächsten Seiten meines neuen ArtJournals zu füllen, fiel mir gar nicht so schwer, hatten wir Frauen aus dem Kreativpädagogik-Kurs uns mal ganz privat und "inkognito" in Wolfsburg verabredet, um ein ganzes Wochenende mal so nach Herzenslust unter eigener Regie kreativ zu sein.
Es dauerte auch überhaupt nicht lange, da hatten wir den nüchternen Tagungsraum des Hotels in ein wildes Kreativchaos aus Farben und Schnipseln verwandelt und waren eifrig schnatternd bei der Arbeit, wie Frauen so sind (glaubt mir, über das Klischee haben wir auch ausreichend und ausführlich gelacht ;D).
Nein, ganz ernsthaft, mehrere von uns hatten Themen vorbereitet, um eigenes Fachwissen an die anderen weiterzugeben, es waren zwei sehr erfüllte, sehr bunte Tage (in denen ich sooo viel geschnipselt und geklebt habe...)

Mein Lieblingsbild soll hier einen Platz bekommen, beim Erschaffen von kreativen Wörtern war irgendwer auf das Wort "Farbseeligkeit" gekommen (natürlich weiß ich, dass Seligkeit nur mit einem "e" geschrieben wird),aber in dem Wortspiel schwingt das Wort Seele mit, Farben berühren meine Seele, vielleicht fand ich es deshalb so schön.


Wie man sieht, war ich da gerade in einer Phase, in der ich mir wenig zugetraut habe, selber zu malen und stattdessen Bildcollagen erstellt habe. Vielleicht sollte ich das Wortspiel demnächst noch mal aufgreifen, mal sehen, was dann, fast 2 Jahre später dabei herauskommt...

Mittwoch, 8. Mai 2013

Ein Werbeprospekt und ein Gedicht von Rilke

Man sollte meinen, dass ein Werbeprospekt und ein Gedicht von Rainer Maria Rilke nicht viel miteinander zu tun haben, ihre Gemeinsamkeit bestand darin, auf meinem Küchentisch zu landen, als ich über die erste Seite in meinem neuen, noch jungfräulichen ArtJournal nachdachte.
Das lag nämlich auch auf meinem Küchentisch und wartete. Wartete darauf, dass ich den einmal gefassten Entschluss auch in die Tat umsetzen würde.
Während des Essens blätterte ich dann, um mich abzulenken, die Post durch, die ich auf dem Weg von der Arbeit nach Hause aus meinem Briefkasten gefischt hatte. Dabei eben jener Werbeprospekt mit unerschwinglichen Schönheiten, die Seiten ansprechend grafisch gestaltet und mit wunderschönen Fotos versehen, traumschöne Stoffe - wären da nicht die Preise gewesen...
Also habe ich den Prospekt schnell zur Seite geschoben, warum soll ich mich quälen? und mich weiter meiner restlichen Post gewidmet, einer Einladung, die mit eben jenem Gedicht von Rilke überschrieben war. Ich mag Rilke, seine Zeilen berühren mich oft auf eine Weise, die ich nicht in eigene Worte zu fassen vermag. Es ist, als wenn sie die Saite eines Instrumentes in mir zum Schwingen bringen, sie füllen mich mit Musik und, nicht zuletzt, mit Bildern. Früher hätte mich das dazu gebracht, zu zeichnen. Ausgelaugt von der Arbeit, wie ich gerade am Tisch sitze, kann ich nicht zeichnen, auch wenn ich wollte. Mir fehlt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Und vor mir liegt dieses schöne neue Buch und wartet...
Ich nehme wieder den Prospekt zur Hand und blättere wahllos darin, vor und zurück, während es in meinem Kopf zu arbeiten beginnt.
Und bevor ich es wirklich wahrgenommen habe, lösen meine Finger einzelne Motive aus den Seiten und schieben sie in dem neuen Buch zurecht - da war doch noch ein passendes Stück auf der anderen Seite? Wild blättere ich und reiße, bis ich glücklich vor einem Haufen von Schnipseln sitze und den Rest des Prospektes mitsamt der Preise in den Papierkorb entsorgen kann. Es sind zu viele Schnipsel für die eine Seite geworden, aber das macht nichts, schließlich wartet ja ein ganzes Buch auf mich!
Sorgsam wähle ich aus, schiebe hin und her, bis ich zufrieden bin und hole mir einen Klebestift aus der Schublade. Die Hürde ist übersprungen, ein Anfang ist gemacht.
Da fällt mein Blick auf die Zeilen von Rilke und, zeitgleich, auf den Rest Kaffees, den ich in meinem Schnipselwahn habe kalt werden lassen. Ob man damit schreiben kann?
Jetzt beginnt die experimentelle Phase, mit einem Zahnstocher (ich weiß nicht, wo ich meine Pinsel in den Umzugskisten habe), schreibe ich die Zeilen in die Bildzwischenräume. Kaffee hat eine komische Farbe, wenn er trocknet. Statt des erwarteten warmen Brauntons überrascht mich etwas Blasses, Gelbstichiges. Nicht besonders schön. Mein erster Misserfolg gleich auf der ersten Seite?
Mittlerweile ist es spät geworden, aber ich habe angebissen. Also beginne ich, in meinen Kisten nach Farben und Stiften zu suchen, finde Fineliner, Gel- und Aquarellstifte und einen alten abgelegten Wasserfarbkasten meiner Kinder. Das muss reichen. Ich grundiere und lasiere und puste mich schwindelig, weil das Ganze nicht schnell genug trocknen will. Schreibe die Gedichtzeilen noch einmal mit braunem Fineliner, diesmal quer über beide Seiten, dann noch mal mit weißem Gelstift, einfach versetzt noch einmal darüber. So ist es besser. Jetzt kann ich schlafen gehen.

Dienstag, 7. Mai 2013

Wie alles begann...

Während meiner Ausbildung zur Kreativpädagogin brachte Doris, eine Kursteilnehmerin, eine Idee mit, die mich sofort faszinierte: ein ArtJournal.
Es handelte sich um eine Art künstlerisches Tagebuch, dazu gedacht, kreativ zu sein und zu experimentieren, beides Aufforderungen, denen ich sehr gerne nachkomme.
Nicht, dass das nicht auch weiterhin auf losen Zetteln und Blättern funktionieren würde... Der Vorteil eines gebundenen Buches aber ist, dass man, wie in einem Tagebuch, alles beisammen hat und immer wieder darin blättern kann. Außerdem dokumentiert es sehr schön den eigenen künstlerischen Werdegang und die persönliche Entwicklung.
Nicht, dass ich nicht immer schon gerne "gekünstlert" hätte, aber Vieles ist im Laufe der Jahre verschollen. Nicht nur die losen Zettelsammlungen, sondern auch so manche Idee und Fähigkeit, die, ungenutzt, in eine Art Dämmerschlaf gefallen ist.
Natürlich male ich auch gerne auf Leinwand, aber den Platz und die finanziellen Mittel, um darauf ungestört zu experimentieren, muss man erst einmal haben. So ein Buch dagegen trage ich auch schon mal gerne mit mir herum.
Da traf es sich doch sehr gut, dass meine liebe Schwägerin Elke mir zu Weihnachten 2011 dieses Büchlein in den Postkasten geworfen hatte, nochmals ein ganz herzliches Dankeschön!


Es ist ein kleines Büchlein, gerade mal 15x15 cm groß, also gerade richtig, um es überall hin mitzunehmen. :)
Mittlerweile sieht man es ihm auch an, dass ich es oft in meinen Taschen mit mir herum geschleppt habe, es hat mit der Zeit ein wenig gelitten und den ein oder anderen Farbklecks abbekommen, obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe, das zu verhindern. 
Dass dieses Geschenk mit Schönem gefüllt werden musste, versteht sich von selbst. Und damit stand ich auch schon vor dem ersten Problem: 

Was, wenn mal ein Bild nicht so schön wird, ein Experiment misslingt? Das soll ja durchaus vorkommen. 

Mit diesen Befürchtungen im Gepäck ist leider nicht entspannt kreativ sein. Natürlich kann man sich selber austricksen und einfach mitten im Buch beginnen... oder... oder... da gibt es schon die eine oder andere Möglichkeit.
Ich für meinen Teil bin sehr froh, dass ich diese Angst gleich zu Beginn über Bord geworfen habe und mir ein Beispiel an meiner großen Tochter genommen habe, die schon immer ein Faible für schöne Bücher hatte - und zum Glück nie Hemmungen, etwas hinein zu malen oder zu schreiben. (Nicht so wie ich, die von Klein auf an immer dazu angehalten wurde, solche Kostbarkeiten "für Gut" aufzuheben - um sie dann nie zu benutzen, sondern jahrelang bis zu ihrem Verfall in Kistchen und Kästchen mit mir durchs Leben zu schleppen, ohne Sinn und Nutzen. Danke, große Tochter, für Dein gutes Beispiel und Danke liebe Schwägerin für Deinen Grundstein zu einer großen Leidenschaft!

Da ich im Moment durch meinen Umzug gerade nicht zum Malen und Zeichnen komme, habe ich beschlossen, einfach in den nächsten Tagen einmal einige Seiten aus eben diesem ersten ArtJournal hier vorzustellen. Für heute habe ich genug geschrieben, morgen geht es weiter, versprochen!